In den unerschlossenen Höhlen des Weyrs
Verfasst: Di 27 Dez, 2011 05:56
[Die Charaktere kommen von hier. ]
"Was machen wir hier? Ich glaub nicht dass wir hier sein sollten." wisperte Brin etwas unruhig. Die dunklen Höhlen behagte ihr nicht, die Tunnel schienen schier endlos zu sein. Die Leuchtkugeln, die ihren Weg säumten, leuchteten nur schwach. "Was wenn wir einer ausgewachsenen Tunnelschlange begegnen? Die sind gefährlich."
"Dann laufen wir. Die sind nicht so schnell. Außerdem hab ich ein Messer und Tavari und die anderen beiden schaffen sicher eine gute Ablenkung.", antwortete die Diebin gelassen, ging aber mit schnellen Schritten weiter. Der Weg war recht lang, das was sie der Läuferin zeigen wollte, hatte sie auch mehr durch Zufall gefunden. Sie hatte auch noch niemandem davon erzählt, da sie etwas unsicher war wie die anderen darauf reagieren würden. Brin schien ihr aber vertrauenswürdig, da sie als Läuferin natürlich verschwiegen zu sein hatte, und wollte daher ihre Meinung hören um dann zu entscheiden ob sie noch jemanden einweihte.
"Was ist es denn?", wollte Brin wissen.
"Das wirst du dann schon sehen", meinte die Diebin darauf nur kurz, sie musste sich auf den Weg konzentrieren, damit sie sich nicht verliefen. Das war allerdings nicht der einzige Grund für ihre Aufmerksamkeit.
Es dauerte einige Zeit doch schließlich erreichten sie eine dunkle kaum erhellte Höhle. Jyll legte den Finger auf die Lippen und spähte vorsichtig hinein. Ihre Augen durchsuchten die Dunkelheit. Ja, er war noch da, dann deutete sie in den hinteren Teil der Höhle, da wo sie am dunkelsten war. Brins Augen folgten ihrem Fingerzeig. Angestrengt versuchte sie etwas zu erkennen, dann erschrack sie und wich entsetzt bis an die Wand hinter ihr zurück. Die Diebin presste hastig ihr die Hand auf den Mund der Läuferin damit sie nicht laut schrie. "Sssshh... solang er uns nicht bemerkt, ist alles okay." Nervöse starrte sie in die Höhle, gab Brin aber erst wieder frei als sie sich vom ersten Schrecken erholt hatte.
"Willst du uns umbringen? Das ist ein Wher oder?"
Jyll nickte. Ein ziemlich großer Wher. In der Finsternis konnte man die Farbe nicht erkennen, aber er war sicher größer als ein Brauner. Brin war schon einigen Wach-Wheren begegnet. Zum Glück hatte sie nie näher ran gemusst an diese abscheulichen Kreaturen. Diese Monster waren ihr nicht geheuer.
"Und was soll ich hier?" es klang fast etwas verärgert. "Können wir jetzt wieder gehn?"
"Schau mal genau hin.", meinte Jyll. "Ich wollte eine zweite Meinung dazu haben."
Brin seufzte und spähte erneut in die Höhle. Der Wher hatte sich bis jetzt nicht gerührt. "Was meinst du?"
"Diese ... Steine da..." begann das Mädchen und deutete zu einer Reihe unförmiger rundlicher Objekte um die der Wher den Schwanz gewickelt hatte.
Die Läuferin keuchte. "Meinst du das sind.... Eier?" Kurz sah sie zu Jyll dann wieder zu den Eiern. "Das ist ein wilder Wher oder? Wir sollten unbedingt der Weyrherrin oder sonst wem bescheid sagen. Ein wilder Wher und dann noch ein Gelege aus denen noch mehr schlüpfen könnten.... das ist sicher nicht gut."
"Meinst du wirklich wir sollten es jemandem sagen?" hakte die Diebin nach und sah nachdenklich zu dem Wher.
"Ja natürlich. Sie sind gefährlich. Die Menschen hier sollten gewarnt werden. Was ist das für eine Frage?"
Jyll zögerte. "Hast du mal gesehen wie einem Wher die Flügel gestutzt werden?" Sie sah Brin an. "Das ist kein schöner Anblick und auch ein Leben in Ketten hat niemand verdient. Oder was meinst du was sie mit ihnen machen werden." Natürlich war ihr die Gefahr, die von ihnen ausging, bewusst und doch hatte sie Mitleid mit ihnen. Sie waren nicht sonderlich schön anzusehen, doch der Anblick der gequälten kleinen Kreatur vor einigen Umläufen, für die man offenbar nicht mal Taubkraut hatte verschwenden wollen, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie hatte schon so manches gesehen, aber das zählte noch mit zu den grausamsten Ereignissen neben der Ermordung ihrer Eltern. Sicher gingen nicht alle so schrecklich mit Wheren um, aber als freiheitsliebendes Wesen erregte auch ein angeketteter Wher bereits ihr Mitgefühl. Viele Burgen behandelten sie doch eher schlecht als recht.
"Es sind Where, Jyll.", versetzte Brin scharf.
Die Diebin sah wieder zu dem Wher. Und wenn es nun doch nur Steine waren? Dann konnte man es vielleicht unter den Tisch fallen lassen. Immerhin hatte der Wher bislang auch niemanden was getan.
Aus dieser Entfernung waren die runden Objekte nur so schwer zu erkennen...
"Hey warte, was hast du vor?" Die Läuferin sah Jyll erschrocken nach als diese vorsichtig in die Höhle schlich. "Komm zurück!" Eilig lief sie hinterher und wollte nach dem Arm des Mädchens greifen um sie zurück zu ziehen. Doch es war bereits zu spät...
K'ryan hatte die beiden schnell eingeholt, doch hielt er sich versteckt. Er wollte wissen was sie in den Höhlen machten. Eine Standpauke konnte er ihnen auch später noch verpassen. Vorsichtig spähte er um die Ecke. Die beiden waren vor einer Höhle stehen geblieben und schienen nun einen Disput zu haben, aber von seinem Versteck aus konnte er nur zusammenhangslose Wortfetzen auffangen. Gerne hätte er Siiry näher ran geschickt - in der Dunkelheit der Gänge war sie nahe zu unsichtbar - doch ihre Stärke, wenn man es überhaupt so nennen konnte, war die Bild- nicht die Ton-Wiedergabe. Die kleine eher mittelgroße Feuerechse saßs still auf seiner Schulter und beobachtete ebenfalls die Mädchen. Die meisten würden diesen Zustand wohl ungewöhnlich finden und sich fragen ob das arme Ding vielleicht krank war, war sie sonst doch eher ein Störenfried mit Spezialgebiet Lärmbelästigung. Doch wusste sie ganz genau wann ein ruhigeres Verhalten angebracht war und wann nicht. Außerdem wollte sie keinesfalls die Position ihre Menschen verraten, wenn dies ein Versteckspiel war. Sie war sicher nicht so intelligent wie eine Goldene aber das Band zu ihm war stark genug um ihr zu verraten, dass er jetzt absolute Ruhe wollte. Unterstützt wurde das nur noch dadurch, dass sie da noch etwas anderes in der näheren Umgebung wahrnahm. Ihre Augen wirbelten aufgeregt gelb, gelegentlich mischte sich ein weiß Ton mit ein. So verkniff sie sich sogar das leise Summen als er wie aus Gewohnheit begann ihr Kinn kraulte während er zu verstehen versuchte was da vor ging.
Die Mädchen verschwanden schließlich in der Höhle, dann war da ein Brüllen und die Schreie der Mädchen. Der Reiter schrak auf. Er mochte sich irren, aber das klang nach einem Wher. Ein Wher hier? Aber darüber dachte er nicht länger nach, die Schreie und alle anderen Geräusche klangen nicht nach einer freudigen Begrüßung. Hastig lief er los um zu retten was noch zu retten war.
Queensk hatte unbewegt dagelegen. Die Eindringlinge waren ihr nicht entgangen. Den Geruch des einen Zweibeiners kannte sie bereits. Er war hier schon ein paar mal rumgeschlichten. Sie hatte ihn in Ruhe gelassen da er immer einen angemessenen Abstand gehalten hatte. Über seine Anwesenheit war sie aber nie sonderlich glücklich gewesen. Es barg ein Risiko. Wenn da nicht das Gelege gewesen wäre, hätte sie ihm vielleicht schon eher mal die Leviten gelesen. Doch von ihren Eiern wagte sie sich nicht weit weg, die Tunnelschlangen warteten nur darauf dass sie ihr Gelege verließ um es zu plündern. Nur wenige ihrer Eier würden schlüpfen, das wusste sie, da galt es jedes einzelne erbittert zu verteidigen. Einen Großteil der Eier hatte sie bereits ausgesondert, da sie kein Leben mehr in ihnen spürte. Es waren aber immer noch einige da. Ja, dies war ein gutes Gelege, so fand sie - so wie natürlich jedes Gelege das sie bislang hatte.
Nun war da ein zweiter Geruch. Ein fremder. Das missfiel ihr. Vielleicht hätte sie den anderen Zweibeiner doch frühzeitig beseitigen sollen. Es war nicht gut dass er mehr seiner Art herbrachte. Noch wusste sie diese sonderbaren Wesen nicht so recht einzuschätzen.
Sie konnte sie reden hören auch wenn sie ihre Sprache nicht verstand. Angespannt lauschte sie, verriet durch nichts, dass sie sie längst bemerkt hatte. Noch lange bevor sie in ihre Höhle spähten, wusste sie schon dass sie da waren. Sie wusste auch das da noch ein weiterer Mensch war. Ihrer Nase und ihrem scharfen Gehör entging nichts. Zu ihrer Überraschung schien sie nicht alleine mit dieser Warnehmung zu sein. Eines der Eier verhielt sich sonderbar. Es schien kaum merklich zu wackeln, dabei war es noch viel zu früh für einen Schlupf. Die Schale war noch nicht voll ausgehärtet. Es würde noch viele Tage dauern bevor sie das war. Dennoch schien es als wolle es zu den Zweibeinern. Das verwirrte die Goldene total. Sowas hatten ihre Eier noch nie gemacht und die anderen verhielten sich auch ganz normal. Warum war dieses eine so komisch?
Das war nicht gut.
Schlimmer war jedoch, dass die Menschen näher kamen. Das konnte sie nicht dulden! Unglaublich schnell war sie auf den Füßen und bei den Störenfrieden. Sie hatte nur darauf gewartet, dass sie einen Fehler machten.
"Brin!" schrie Jyll entsetzt als der Wher plötzlich aufsprang, ihre Freundin am Bein packte und in den hinteren Teil der Höhle zerrte. "Lass sie los!" Sie lief hinter her mit dem klaren Gedanken Brin zu befreien. Doch jemand packte sie und trug sie weg, aus der Höhle.
K'ryan ätzte, fasst hätte der Wher auch die Diebin noch erwischt. Dessen Pranke war herum geschnellt als sie hinterher wollte. Kurz warf er einen besorgten Blick nach hinten, aber Siiry, die sich todesmutig zischend und fauchend auf den Kopf des Wheres gestürzt hat, schwebte scheinbar unverletzt hinter ihm her. Ihre Augen wirbelten aufgeregt. Der Wher schien ihm zum Glück nicht zu folgen. Er war nicht sicher ob er es mit einem so Großen Biest aufnehmen konnte.
Das Bündel, das der Drachenreiter mit sich schleppte, schrie und zappelte wild. "Lass mich runter! Ich muss zu, Brin!" Fäuste trommelten wild auf ihm rum. An einer sicheren Stelle abseits der Höhle ließ er sie recht ungerührt auf den Boden fallen.
"Du bleibst hier.", sein Blick und seine Worte waren so scharf als wolle er sie am Boden des Höhlensystems festtackern. Dann lief er zurück zur Höhle.
Wütend funkelte Jyll ihm nach. Wie konnte er es wagen sie so zubehandeln? Brin brauchte ihre Hilfe. Erst mit dem zweiten Blick bemerkte sie zwei lange Striemen auf dem Rücken des Reiters. Die rote Farbe an ihren Händen stammte von ihm. Die Worte, die sie ihm aufgebracht nach schreien wollte, blieben ihr im Hals stecken. Wäre er nicht da gewesen, wäre sie jetzt vielleicht tot gewesen. Ihre Feuerechsen-Schar tauchte plötzlich aufgerecht und besorgt zirpend auf, wirbelte einen Moment um sie herum ehe sie sich auf ihr niederliesen und sie unentwegt anstubsten und ihre Nasen an ihr rieben. Doch sie konnte nicht mehr tun als einfach nur da zustehen und dem Mann hinterher zu starren. Sprachlos. Vermutlich das erstemal seit sie den Weyr betreten hatte. Er hätte jetzt auch tot sein können.
K'ryan blieb vor der Höhle stehen. Zögerte. Es war nicht wegen der Schmerzen in seinem Rücken, die ignorierte er. Sie waren nicht so schlimm. Er war nicht sicher ob er sehen wollte wie ein Wher einen Menschen zerfleischte. Unweigerlich kamen ihm Bilder von seinem in einer Schlucht zerschelltem Freund Bias in den Sinn. Bilder die er wohl niemals vergessen würde. Ob er noch mehr solcher Bilder brauchen könnte? Er schüttelte den Kopf. Dafür war jetzt keine Zeit. Sollte das Mädchen noch leben, musste er es um jeden Preis retten. Solch ein Schicksal wünschte er niemandem und letzten Endes war er Drachenreiter. Und die waren schließlich dazu da die Menschen zu schützen.
Xantath draußen war in heller Aufregung. Von einem Fuß auf den anderen tänzelnd, stand er vor dem Höhleneingang und spähte hinein. Sein Reiter war verletzt und in Gefahr und er konnte nicht zu ihm! K'ryan hatte ihm zwar beruhigend zugeredet, dass alles nur halb so wild sei. Doch das beruhigte den Drachen überhaupt nicht. Er kannte seinen Reiter. Er spielte immer alles runter.
Noch war er alleine vor der Höhle, doch würde das sicher nicht so bleiben, hatte er doch vermutlich den halben Weyr geweckt als er vom Schmerz seines Reiters gepackt aufschrie, der ihn aus seinem sanften Schlaf gerissen hatte. Delsath und Raina würden auch sicher bald da sein.
Vielleicht konnte Raina helfen. Sie passte in die Höhle. Dennoch spähte er nervös in die Höhle. Die Gedanken und Eindrücke seines Reiters beunruhigten ihn. K'ryan durfte jetzt auf keinen Fall in irgendwelche Zustände verfallen. Der letzte war lange her, doch war sein Reiter sicher nicht geheilt. Vermutlich würden die Wunden der Vergangenheit nie ganz heilen. Da er seinem Reiter körperlich nicht nah sein und zur Hilfe eilen konnte, versuchte er ihm nun wenigstens mental beizustehen.
Entschlossen aber aufs schlimmste gefasst warf K'ryan schließlich einen Blick in die Höhle. Es war dunkel, aber er glaubte das Mädchen noch am Stück in einer Ecke liegen zu sehen. Nicht ganz das was er erwartet hatte, aber um so besser. Der Wher schien unentschlossen. Wie sollte er jetzt am besten vorgehen? Die Höhle stürmen und den Wher angreifen oder ihn bloss ablenken damit das Mädchen fliehen konnte? Oder vielleicht einfach rein, das Mädchen schnappen und wieder raus? Das würde er vermutlich alles nicht überleben... oder sollte er vielleicht einfach abwarten? Wo war Tira wenn man ihn mal brauchte? Der wusste sicher was zu tun war.
Queensk grollte und blickte zum Ausgang. Am liebsten wäre sie hinter den Zweibeinern her gerannt, doch wollte sie ihre Eier nicht mit dem Dritten alleine lassen. Eilig packte sie wieder Brins Hosenbein und schleifte sie über den Steinboden in den hinteren Teil der Höhle. Brin war starr vor Angst. Wagte nicht sich zu rühren. Nur das Zittern ließ sich nicht unterdrücken. Etwas abseits des Geleges ließ der Goldwher sie wieder los und sah nach ihren Eiern. Kurz darauf wickelte sie sich um sie, doch nur um gleich wieder aufzustehen und das Mädchen mit der Nase unsanft weg zu stoßen. Sie war zu nah. Eigentlich durfte diese Kreatur überhaupt nicht hier sein. Sie sollte es töten. Ewig hatte sie nichts brauchbares mehr zufressen gehabt und so eine mickrige Tunnelschlange hielt nicht lange vor. Doch dieses eine Ei machte sie ganz verrückt. Verständnislos stieß sie es an. Warum konnte es nicht so sein wie die anderen und seine Engerien auf das Wachstum und die Schlupf später konzentrieren? Vielleicht war es krank.
Er konnte doch nicht rumsitzen und abwarten, dass was passierte... Hilfe war sicher unterwegs. Dennoch, viele länger wollte er nicht warten. Der Weg war lang und bis die Hilfe da war konnte sonstwas passieren. K'ryan atmete tief durch, spähte nochmal kurz in die Höhle, prüfte dann ob sein Messer da war wo es sein sollte. Er hoffe, dass er es nicht brauchen würde, doch wenn es nötig war, wollte er sicher sein, dass es da war. Entschlossen trat er in den Eingang bereit hinein zu rennen und sich das Mädchen zu schnappen. Doch bevor es soweit war, krachte plötzlich vor ihm ein maßiger Bronze-Wher aus dem Nichts. "Yo, das hat doch wunderbar geklappt.", meinte die Gestalt auf dessen Rücken und tätschelte den Wher am Nacken. Der Wher brummte bloss wie als wollte er sagen "Natürlich hat das geklappt...".
K'ryan starrte sie an. Sein Mund klappte auf, dann wieder zu. Verlor dann aber doch die Beherrschung. "BIST DU VERRÜCKT???? DAS IST EIN WHER UND KEIN DRACHE!!! Du könntest TOT sein!" Where hatten ein anderes Sehvermögen als Drachen und Menschen was die Übermittlung brauchbarer Sprung-Koordinaten erschwerte oder gar unmöglich machte. Sie galten daher als unfähig zu Sprüngen durchs Dazwischen. Nur wenige wussten, dass sie es überhaupt konnten.
Der Bronze-Reiter ließ sich von der Schelte aber nicht aus der Ruhe bringen und stieg gelassen vom Rücken seines Whers ab. "Komisch, das selbe wollte ich dir auch gerade an den Kopf werfen.", gab der kräftige Bergwerksgeselle zurück, stämmte die Fäuste in die Seiten und sah den Drachenreiter mindestens genauso finstern an wie dieser ihn. "Du hast ja schon viele dumme Sachen angestellt. Aber das hier ist mit Abstand das dämlichste. Wie BESCHEUERT muss man sein einen Goldwher mit Gelege zu stören?" Where würden einen Menschen ohne zu zögern töten wenn sie sich bedroht fühlten, anders als Drachen, die zwar Drohen würden, aber einem Menschen niemals absichtlich Schaden würden, außer vielleicht er bedrohte seinen Reiter. Das war Fakt auch wenn ein Großteil der Bevölkerung Perns das nicht wusste.
"Als ob das meine Idee gewesen wäre. Ich betreibe hier bloss Schadensbegrenzung. Ich konnte ja nicht riechen, dass die beiden hier auf einen Wher treffen. Sonst hätte ich vorher eingegriffen..."
"Die beiden?"
K'ryan nickte zu Brin.
"Ich sehe nur ein Mädchen...?", meinte Tira, Schlimmes befürchtend.
"Die Andere ist vorerst in Sicherheit." Kurz sah er zu Jyll, die immer noch in dem Gang stand und sich nun wunderte was in der Höhle vor sich ging.
Der Wherreiter schwieg eine Weile bis ihm ein Gedanke kam. "Ohh, sag nicht du wolltest hier grade reinstürmen. Kein Wunder, dass dein Drache so panisch klang. Denkst du vielleicht auch mal an ihn? Wenn du dich in Gefahr bringst, bringst du auch ihn in Gefahr. Oder Raina? Oder deine Kinder? Was ist mit denen? Dachte du hättest mittlerweile begriffen, das du nicht alleine auf dieser Welt lebst."
K'ryan hob die Hände. "Was soll ich denn machen. Das Mädchen sterben lassen? Wäre das besser?"
"Nein, aber du könntest auch einfach Hilfe anfordern."
"Wir sind hier mitten im Fels."
"Na und? Hat mich das aufgehalten?"
"Mit einem Wher ins Dazwischen zu gehen und an einen total fremden Ort zu springen, ist also vernünftiger?"
"Was soll das denn heißen? Nur weil ein Wher kein Drache ist, heißt das noch lange nicht das er das nicht genau so gut kann."
"Es ist auch für Drachen gefährlich an enge unbekannte Orte zu springen."
"Das musst du grade..." Tira brach ab als einen heftigen Hieb vom Schwanz seines Whers ab bekam. Der Wher hatte ihn schon längere Zeit gegen sein Bein geklatscht. Anfangs nur leicht, dann aber immer stärker in dem Versuch Tiras Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dieser sah nun zunächst grimmig zu seinem Wher dann aber zu der Goldenen, die gefährlich knurrend seinen Wher fixiert hielt.
"Raus!" Damit schob der Wherführer den Drachenreiter aus dem Eingang bis weit in den Gang Richtung Jyll. Diese staunte nicht schlecht als plötzlich ein Bronzewher rückwärts aus der Höhle trat. Er versperrte der Goldenen den Weg zu den Menschen. Grollte tief und warnend, hielt aber sein Haupt unterwürfig gesenkt. Er wollte keinen Streit mit ihr, hatte versucht sie zu beruhigen, aber im Moment war sie zu gereizt.
"Torsk bitte sag ihr, dass wir ihr und dem Gelege nichts tun wollen und dass wir bloss das Mädchen wieder habe möchten."
Die Goldene verschwand wieder in der Höhle. Erst diese Zweibeiner und dann fällt dieser riesige Wher aus dem Nichts in ihre Höhle. Wäre er nicht so groß gewesen, hätte sie ihn zerfetzt. Ihr Geist arbeitete angestrengt. Wie sollte sie die Situation lösen? Genervt stieß sie Brin bei Seite als sie wieder zu ihren Eiern ging. Das Ei schien sich zu beklagen. Als ob es da irgendwas zu sagen hätte. Das war genug. Sie würde es aussondern. Wenn es unbedingt zu diesem Zweibeiner wollte, dann sollte es eben dort hin gehen. In ihrem Gelege wollte sie es jedenfalls nicht mehr haben. So stieß sie es an, rollte es aus seiner Kuhle zu der zitternden Gestalt. Was es an dem Zweibeiner wohl fand?
Zu ihrer Verwirrung verstummte das Ei in der Nähe des Mädchens. Schien wie jedes andere Ei. Queensk schüttelte den Kopf und wollte es wieder zurück schieben doch sobald es sich wieder von dem Zweibeiner entfernte, begann es mental wieder zu weinen und zu quängeln. So schob sie es wieder zurück.
Sie schnaubte. Musste sie das verstehen? Kopfschüttelnd kehrte sie zu ihrem Gelege zurück, wickelte sich um ihre Eier, prüfte sie kurz noch mal und schloss dann die Augen. Öffnete sie aber wenig später wieder. Der Mensch störte. Er musste weg. Warum ging er nicht? Hatte er nicht bekommen was er wollte? Niemand kam in ihre Höhle, wenn er nicht hinter ihren Eiern her war. Mehr würde der Zweibeiner nicht bekommen. Sie schnaubte ihn an. Er sollte gehen. Doch die jämmerliche Gestalt zitterte bloss noch mehr. Erbärmlich...
Ihr Blick schien schließlich durch die Wand zugehen. Es gehörte zur Gruppe des Bronzenen, dann sollte er es auch entfernen. Wenn er es nicht tat, würde sie es tun.
"So, und was jetzt?", fragte der Drachenreiter angespannt. Ihm gefiel es gar nicht so untätig rumzustehen und das Mädchen in der Höhle alleine mit dem Wher zurück zu lassen.
"Ist Brin okay?", warf Jyll dazwischen. Ihre Augen wanderten vom einen zum anderen. Doch die beiden Männer sahen nur kurz zu ihr, antworteten aber nicht. Das Herz rutschte ihr in die Hose. Oje... So schlimm? Und das war alles ihre Schuld. Ihre Feuerechsen summten etwas lauter, versuchten sich aufzumuntern und zu beruhigen.
"Nun die Lage ist ernst.", meinte Tira zu K'ryan.
"Dann sollten wir etwas unternehmen, bevor es zu spät ist."
"DU wirst gar nichts tun. Im Moment ist es besser Ruhe zu bewahren. Hektik macht es nur schlimmer.", der Blick des Wherführers ging zu seinem Wher. Dieser ging langsam zum Höhleneingang und spähte vorsichtig hinein bevor er in der Höhle verschwand.
"Torsk?" Was hatte der vor? Grade wollte er hinterher gehen als sich eine Hand auf seine Schulter legte.
"Ruhe bewahren, Tira, Ruhe bewahren." kam von dem Reiter.
"Ker... das ist nicht witzig."
"Der Große macht das schon. Der weis schon was er tut."
Tira warf seufzend einen Blick zu seinem Freund, der einen zuversichtlichen Blick aufgesetzt hatte, und dann zu der Höhle wo sein Wher verschwunden war.
Der Bronze-Wher betrat vorsichtig die Höhle und bewegte sich unter den wachsamen oranges wirbelnden Augen der Goldenen direkt auf das Mädchen zu. Musterte sie und das Ei kurz. Dann stupste er das Mädchen an. Nimm das deine. Wir gehen. sprach er in ihre Gedanken. Für gewöhnlich machte er sowas nicht. Seine Worte waren ausschließlich für Tira bestimmt, doch dies war eine spezielle Situation. Brin sah den Wher erschrocken an. Hatte er zu ihr gesprochen?
Nimm! Er stieß das Ei solange immer wieder gegen ihren Körper bis sie die Arme um das Ei legte und es an sich nahm. Dann schnappte er sich das Leder ihrer Jacke und zerrte sie aus der Höhle.
Tira war sichtlich erleichtert als sein Wher wieder aus der Höhle herauskam. Er zwängte sich an ihm vorbei um nach Brin zu sehen. Sie zitterte immer noch am ganzen Körper und hielt das Ei mit dem Armen krampfhaft umschlungen. "Alles ist gut. Torsk hier wird dir nichts tun.", versuchte er das Mädchen zu beruhigen, aber sie stand zu sehr unter Schock um dadrauf irgendwie zu reagieren. So hob er sie einfach hoch. "Torsk könntest du dich etwas, kleiner machen?" Der Wher ließ sich nieder, so das sein Reiter aufsteigen könnte. "Los, ihr beiden, steigt auf. Torsk ist zwar nicht der schnellst, aber ich denke so kommen wir immer noch schneller und sicherer voran als anders."
"Bist du sicher?", fragte K'ryan zurück und musterte den Wher nachdenklich.
"Natürlich bin ich sicher. Glaub mir er kann bedeutend mehr Gewicht tragen als wir vier zusammen wiegen. Rasch. Ich will nicht warten bis die Goldene die Geduld verliert."
Der Drachenreiter nickte und kletterte vorsichtig hinter Tira auf den Rücken des Whers und half dann Jyll, die ebenfalls etwas zwigespalten über diese neue Erfahrung wirkte. Sobald alle sicher saßen trottete der Wher los. K'ryan und Jyll wiesen den Weg.
"Sag mal...", räusperte sich Tira auf halber Strecke. "... wieso borgst du ihr dein Messer und mir, deinem besten Freund, nicht?" Er hatte das alte rostige Messer an Jylls Hüfte sehr wohl wieder erkannt.
"Was?"
"Du hast mich schon verstanden."
"Ich habs ihr nicht geborgt. Ich warte immer noch, dass es seinen Weg zu mir zurück findet.", er spähte vielsagend über die Schulter.
Jyll lief rot an. Irgendwie wurde der Tag nicht besser.... "Tschuldigung. Ich dachte du brauchst das alte Ding vielleicht nicht mehr..." Sie sah in Siirys wirbelnde Augen. Die Feuerechse beobachtete sie und ihre eigenen Feuerechsen schon die ganze Zeit. Eine kleinere bronzene Feuerechse hatte sich später dazu gesellt, aber diese schien weniger an ihr interessiert zu sein. Die hatte sich nur gähnend auf der freien Schulter des Drachenreiters zusammengerollt und sirrte jetzt leise vor sich hin.
Tira lacht. "Es gehörte seinem Vater. Für gewöhnlich zerreißt er jeden in der Luft, der es auch nur ansieht." Das hielt einen leicht spöttischen und anklagenden Beiton, der K'ryan sehr wohl auffiel auch wenn er geschickt versteckt war.
"Es ist das einzige was ich von meinem Vater besitze.", verteidigte sich der Drachenreiter prompt.
Tira stieß ihm einen Ellenbogen in den Bauch. "Trotzdem läßt du es ihr.."
"Ich weis doch wo es ist. Weis gar nicht warum du dich so aufregst."
"Warum ich mich aufrege?" Der Bergwerksgeselle holte Luft. "Wieso erfahre ich - dein bester Freund - ..." er wollte nur noch mal darauf hinweisen "... nur über fünf Ecken, dass du jetzt im West Weyr lebst? Und ich wunder mich die ganze Zeit wo du abgeblieben bist."
"Ich hatte keine Zeit..."
"Was ist denn das für eine Ausrede? Du besitzt eine Feuerechse und einen Drachen und du kennst genug Leute die entweder das ein oder das andere oder gar beides haben. Du hättest mir ganz sicher in irgendeiner Form eine Nachricht zu kommen lassen können."
"Dachte nicht, dass das so wichtig wäre. Und du hast doch rausbekommen, dass ich jetzt hier lebe."
Tira schnaubte. "Ich dachte schon dir wäre sonst das passiert."
"Ich kann schon auf mich aufpassen."
"Ach ja? Ich kenn niemanden der so viele Narben am Körper trägt wie du, mein Freund. Und was war das eben wieder?" ER wies zurück in den Gang
K'ryan schwieg eine Weile, er musste grinsen. Aus der Sache kam er wohl nicht mehr raus. "Tut mir leid. Du kennst mich doch."
"Ja, und genau das macht mir Sorgen.", seufzte der Bergmannsgeselle.
Danach herrschte Stille bis... "Welche Tageszeit haben wir jetzt?", fragte Tira als Jyll andeutete, dass der Ausgang bald erreicht war.
"Als wir die Höhle betreten haben ging die Sonne gerade unter. Es sollte jetzt dunkel sein.", antwortete K'ryan, der verstand worauf die Frage abzielte. Where vertrugen kein helles Licht.
"Wunderbar."
Nach der nächsten Biegung kam der Ausgang und ein besorgter brauner Drache in Sicht. Xantath war überglücklich seinen Reiter wieder zusehen. Allerdings ließ Tira Reiter und Drache keine große Gelegenheit ihr wiedersehen zufeiern:
"Okay, wo lang geht es zum Heiler?"
"Der Heiler befindet sich im kleinen Kessel, den erreicht man über den Pass darüben. Ich kann sie auch rüber fliegen, das geht schneller.", meinte der Drachenreiter hilfsbereit.
"Nein, nein... ich liefere euch beide lieber persönlich ab. Dann bin ich sicher, dass ihr beide behandelt werdet. Außerdem wäre es viel zu umständlich jetzt umzusteigen. Wir sind doch schon halb da..." Es ging ihm aber hauptsächlich um ersteres. K'ryan hatte ein gestörtes Verhältnis zu Heilern und mied sie wann immer er konnte. Auch wollte er sicher gehen, dass das Wher Ei in Brins Nähe blieb und ihm nichts passierte. Da würde wohl noch was auf das Mädchen zukommen. Wenn die Goldene ihr das Ei überließ konnte das jedenfalls nur eines bedeuten.
Der Bronzene blieb plötzlich stehen. "Torsk?"
Im nächsten Moment landete ein blauer Wher vor ihnen. "Scherben! Ist das kalt!", fluchte dessen Reiterin.
"Sind denn hier alle verrückt?", kommentierte K'ryan den zweiten Wher, den er an diesem Tage aus dem Dazwischen hatte fallen sehen.
"Simira!?", kam ebenfalls erschrocken und empört von Tira.
"Ihr wart plötzlich weg und wir haben uns Sorgen gemacht. Simsk hat versichert, dass er das schon x-mal gemacht hat.", meinte Simira nur während wie versuchte dem blauen Wher von dessen Rücken aus die Wherbrille abzunehmen. Diese Brille war eine Spezial-Anfertigung für Where und hatte getönte Gläser.
"Na schön, wo ihr schon mal hier seid, könntet ihr dem Weyrheilern schon mal Bescheid geben, dass wir kommen. Ihr findet sie da oben irgendwo.", meinte Tira schließlich.
"Es ist die nächste große Höhle neben dem See.", ergänzte K'ryan.
Simira musterte das kreidebleiche Mädchen, das Tira in den Armen hielt. "Okay. Hast du gehört Simsk?"
Und ob der Wher das gehört hatte. Sein Blick lang ganz fasziniert auf dem großen Felsenöhr durch, das das Wasser vom oberen See zum unteren gelangte.
"Oh... ohoh nein. Muss das sein? ... Simsk!?" hastig zurrte Simira allerlei Gurte fest, denn der Wher sprintete los allerdings nicht in die Richung an die alle gedacht hatten.
"Ist das ganze Lederzeug nicht übertrieben.", fragte K'ryan während er sich wunderte wo die beiden hin wollten.
Tira lachte über Simsk Verhalten. "Nein, nein. Das ist schon alles richtig so. Simisk ist ziemlich ungestüm. Er stammt aus der Wildnis. Ohne das ganze Lederzeug hätte ich ganz ehrlich doch etwas Angst um das Mädchen."
"Wo wollen die hin?"
Tiratorsk hatte sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt.
Tira lachte immer noch, er hatte etwas Mitleid mit Simira. "Warts nur ab."
K'ryan schüttelte den Kopf. Der blaue Wher wurde immer schneller während er unbeirrt auf die nächst gelegene Felswand zulief und schließlich hochsprang um sich die Felsen hoch zu arbeiten. Als er schließlich eine gute Höhe erreicht hatte, stieß er sich ab und spreizte die Flügel. Ein Windstoß erfasste ihn und trug ihn höher. Doch gedachte er nicht in diesem zu bleiben, stattdessen flatterte er heftig mit den Flügeln schlagend zum nächsten Luftstrom. Simira wurde bei den zum Teil doch recht abrupten Richtungsänderungen, Schrauben und Drehungen ganz schön durchgeschüttelte. Sie hielten ansonsten aber doch recht zielstrebig auf das Öhr zu. Simsk wollte unbedingt da durchfliegen.
"Für einen Wher gar nicht schlecht oder?", meinte Tira zu K'ryan, der das ganze etwas stirnrunzend beobachtete. Das Where sich in der Luft halten konnten für einige Zeit, wusste er, aber mit einem Reiter auf dem Rücken...
[K'ryans Geschichte geht hier weiter ]
"Was machen wir hier? Ich glaub nicht dass wir hier sein sollten." wisperte Brin etwas unruhig. Die dunklen Höhlen behagte ihr nicht, die Tunnel schienen schier endlos zu sein. Die Leuchtkugeln, die ihren Weg säumten, leuchteten nur schwach. "Was wenn wir einer ausgewachsenen Tunnelschlange begegnen? Die sind gefährlich."
"Dann laufen wir. Die sind nicht so schnell. Außerdem hab ich ein Messer und Tavari und die anderen beiden schaffen sicher eine gute Ablenkung.", antwortete die Diebin gelassen, ging aber mit schnellen Schritten weiter. Der Weg war recht lang, das was sie der Läuferin zeigen wollte, hatte sie auch mehr durch Zufall gefunden. Sie hatte auch noch niemandem davon erzählt, da sie etwas unsicher war wie die anderen darauf reagieren würden. Brin schien ihr aber vertrauenswürdig, da sie als Läuferin natürlich verschwiegen zu sein hatte, und wollte daher ihre Meinung hören um dann zu entscheiden ob sie noch jemanden einweihte.
"Was ist es denn?", wollte Brin wissen.
"Das wirst du dann schon sehen", meinte die Diebin darauf nur kurz, sie musste sich auf den Weg konzentrieren, damit sie sich nicht verliefen. Das war allerdings nicht der einzige Grund für ihre Aufmerksamkeit.
Es dauerte einige Zeit doch schließlich erreichten sie eine dunkle kaum erhellte Höhle. Jyll legte den Finger auf die Lippen und spähte vorsichtig hinein. Ihre Augen durchsuchten die Dunkelheit. Ja, er war noch da, dann deutete sie in den hinteren Teil der Höhle, da wo sie am dunkelsten war. Brins Augen folgten ihrem Fingerzeig. Angestrengt versuchte sie etwas zu erkennen, dann erschrack sie und wich entsetzt bis an die Wand hinter ihr zurück. Die Diebin presste hastig ihr die Hand auf den Mund der Läuferin damit sie nicht laut schrie. "Sssshh... solang er uns nicht bemerkt, ist alles okay." Nervöse starrte sie in die Höhle, gab Brin aber erst wieder frei als sie sich vom ersten Schrecken erholt hatte.
"Willst du uns umbringen? Das ist ein Wher oder?"
Jyll nickte. Ein ziemlich großer Wher. In der Finsternis konnte man die Farbe nicht erkennen, aber er war sicher größer als ein Brauner. Brin war schon einigen Wach-Wheren begegnet. Zum Glück hatte sie nie näher ran gemusst an diese abscheulichen Kreaturen. Diese Monster waren ihr nicht geheuer.
"Und was soll ich hier?" es klang fast etwas verärgert. "Können wir jetzt wieder gehn?"
"Schau mal genau hin.", meinte Jyll. "Ich wollte eine zweite Meinung dazu haben."
Brin seufzte und spähte erneut in die Höhle. Der Wher hatte sich bis jetzt nicht gerührt. "Was meinst du?"
"Diese ... Steine da..." begann das Mädchen und deutete zu einer Reihe unförmiger rundlicher Objekte um die der Wher den Schwanz gewickelt hatte.
Die Läuferin keuchte. "Meinst du das sind.... Eier?" Kurz sah sie zu Jyll dann wieder zu den Eiern. "Das ist ein wilder Wher oder? Wir sollten unbedingt der Weyrherrin oder sonst wem bescheid sagen. Ein wilder Wher und dann noch ein Gelege aus denen noch mehr schlüpfen könnten.... das ist sicher nicht gut."
"Meinst du wirklich wir sollten es jemandem sagen?" hakte die Diebin nach und sah nachdenklich zu dem Wher.
"Ja natürlich. Sie sind gefährlich. Die Menschen hier sollten gewarnt werden. Was ist das für eine Frage?"
Jyll zögerte. "Hast du mal gesehen wie einem Wher die Flügel gestutzt werden?" Sie sah Brin an. "Das ist kein schöner Anblick und auch ein Leben in Ketten hat niemand verdient. Oder was meinst du was sie mit ihnen machen werden." Natürlich war ihr die Gefahr, die von ihnen ausging, bewusst und doch hatte sie Mitleid mit ihnen. Sie waren nicht sonderlich schön anzusehen, doch der Anblick der gequälten kleinen Kreatur vor einigen Umläufen, für die man offenbar nicht mal Taubkraut hatte verschwenden wollen, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie hatte schon so manches gesehen, aber das zählte noch mit zu den grausamsten Ereignissen neben der Ermordung ihrer Eltern. Sicher gingen nicht alle so schrecklich mit Wheren um, aber als freiheitsliebendes Wesen erregte auch ein angeketteter Wher bereits ihr Mitgefühl. Viele Burgen behandelten sie doch eher schlecht als recht.
"Es sind Where, Jyll.", versetzte Brin scharf.
Die Diebin sah wieder zu dem Wher. Und wenn es nun doch nur Steine waren? Dann konnte man es vielleicht unter den Tisch fallen lassen. Immerhin hatte der Wher bislang auch niemanden was getan.
Aus dieser Entfernung waren die runden Objekte nur so schwer zu erkennen...
"Hey warte, was hast du vor?" Die Läuferin sah Jyll erschrocken nach als diese vorsichtig in die Höhle schlich. "Komm zurück!" Eilig lief sie hinterher und wollte nach dem Arm des Mädchens greifen um sie zurück zu ziehen. Doch es war bereits zu spät...
K'ryan hatte die beiden schnell eingeholt, doch hielt er sich versteckt. Er wollte wissen was sie in den Höhlen machten. Eine Standpauke konnte er ihnen auch später noch verpassen. Vorsichtig spähte er um die Ecke. Die beiden waren vor einer Höhle stehen geblieben und schienen nun einen Disput zu haben, aber von seinem Versteck aus konnte er nur zusammenhangslose Wortfetzen auffangen. Gerne hätte er Siiry näher ran geschickt - in der Dunkelheit der Gänge war sie nahe zu unsichtbar - doch ihre Stärke, wenn man es überhaupt so nennen konnte, war die Bild- nicht die Ton-Wiedergabe. Die kleine eher mittelgroße Feuerechse saßs still auf seiner Schulter und beobachtete ebenfalls die Mädchen. Die meisten würden diesen Zustand wohl ungewöhnlich finden und sich fragen ob das arme Ding vielleicht krank war, war sie sonst doch eher ein Störenfried mit Spezialgebiet Lärmbelästigung. Doch wusste sie ganz genau wann ein ruhigeres Verhalten angebracht war und wann nicht. Außerdem wollte sie keinesfalls die Position ihre Menschen verraten, wenn dies ein Versteckspiel war. Sie war sicher nicht so intelligent wie eine Goldene aber das Band zu ihm war stark genug um ihr zu verraten, dass er jetzt absolute Ruhe wollte. Unterstützt wurde das nur noch dadurch, dass sie da noch etwas anderes in der näheren Umgebung wahrnahm. Ihre Augen wirbelten aufgeregt gelb, gelegentlich mischte sich ein weiß Ton mit ein. So verkniff sie sich sogar das leise Summen als er wie aus Gewohnheit begann ihr Kinn kraulte während er zu verstehen versuchte was da vor ging.
Die Mädchen verschwanden schließlich in der Höhle, dann war da ein Brüllen und die Schreie der Mädchen. Der Reiter schrak auf. Er mochte sich irren, aber das klang nach einem Wher. Ein Wher hier? Aber darüber dachte er nicht länger nach, die Schreie und alle anderen Geräusche klangen nicht nach einer freudigen Begrüßung. Hastig lief er los um zu retten was noch zu retten war.
Queensk hatte unbewegt dagelegen. Die Eindringlinge waren ihr nicht entgangen. Den Geruch des einen Zweibeiners kannte sie bereits. Er war hier schon ein paar mal rumgeschlichten. Sie hatte ihn in Ruhe gelassen da er immer einen angemessenen Abstand gehalten hatte. Über seine Anwesenheit war sie aber nie sonderlich glücklich gewesen. Es barg ein Risiko. Wenn da nicht das Gelege gewesen wäre, hätte sie ihm vielleicht schon eher mal die Leviten gelesen. Doch von ihren Eiern wagte sie sich nicht weit weg, die Tunnelschlangen warteten nur darauf dass sie ihr Gelege verließ um es zu plündern. Nur wenige ihrer Eier würden schlüpfen, das wusste sie, da galt es jedes einzelne erbittert zu verteidigen. Einen Großteil der Eier hatte sie bereits ausgesondert, da sie kein Leben mehr in ihnen spürte. Es waren aber immer noch einige da. Ja, dies war ein gutes Gelege, so fand sie - so wie natürlich jedes Gelege das sie bislang hatte.
Nun war da ein zweiter Geruch. Ein fremder. Das missfiel ihr. Vielleicht hätte sie den anderen Zweibeiner doch frühzeitig beseitigen sollen. Es war nicht gut dass er mehr seiner Art herbrachte. Noch wusste sie diese sonderbaren Wesen nicht so recht einzuschätzen.
Sie konnte sie reden hören auch wenn sie ihre Sprache nicht verstand. Angespannt lauschte sie, verriet durch nichts, dass sie sie längst bemerkt hatte. Noch lange bevor sie in ihre Höhle spähten, wusste sie schon dass sie da waren. Sie wusste auch das da noch ein weiterer Mensch war. Ihrer Nase und ihrem scharfen Gehör entging nichts. Zu ihrer Überraschung schien sie nicht alleine mit dieser Warnehmung zu sein. Eines der Eier verhielt sich sonderbar. Es schien kaum merklich zu wackeln, dabei war es noch viel zu früh für einen Schlupf. Die Schale war noch nicht voll ausgehärtet. Es würde noch viele Tage dauern bevor sie das war. Dennoch schien es als wolle es zu den Zweibeinern. Das verwirrte die Goldene total. Sowas hatten ihre Eier noch nie gemacht und die anderen verhielten sich auch ganz normal. Warum war dieses eine so komisch?
Das war nicht gut.
Schlimmer war jedoch, dass die Menschen näher kamen. Das konnte sie nicht dulden! Unglaublich schnell war sie auf den Füßen und bei den Störenfrieden. Sie hatte nur darauf gewartet, dass sie einen Fehler machten.
"Brin!" schrie Jyll entsetzt als der Wher plötzlich aufsprang, ihre Freundin am Bein packte und in den hinteren Teil der Höhle zerrte. "Lass sie los!" Sie lief hinter her mit dem klaren Gedanken Brin zu befreien. Doch jemand packte sie und trug sie weg, aus der Höhle.
K'ryan ätzte, fasst hätte der Wher auch die Diebin noch erwischt. Dessen Pranke war herum geschnellt als sie hinterher wollte. Kurz warf er einen besorgten Blick nach hinten, aber Siiry, die sich todesmutig zischend und fauchend auf den Kopf des Wheres gestürzt hat, schwebte scheinbar unverletzt hinter ihm her. Ihre Augen wirbelten aufgeregt. Der Wher schien ihm zum Glück nicht zu folgen. Er war nicht sicher ob er es mit einem so Großen Biest aufnehmen konnte.
Das Bündel, das der Drachenreiter mit sich schleppte, schrie und zappelte wild. "Lass mich runter! Ich muss zu, Brin!" Fäuste trommelten wild auf ihm rum. An einer sicheren Stelle abseits der Höhle ließ er sie recht ungerührt auf den Boden fallen.
"Du bleibst hier.", sein Blick und seine Worte waren so scharf als wolle er sie am Boden des Höhlensystems festtackern. Dann lief er zurück zur Höhle.
Wütend funkelte Jyll ihm nach. Wie konnte er es wagen sie so zubehandeln? Brin brauchte ihre Hilfe. Erst mit dem zweiten Blick bemerkte sie zwei lange Striemen auf dem Rücken des Reiters. Die rote Farbe an ihren Händen stammte von ihm. Die Worte, die sie ihm aufgebracht nach schreien wollte, blieben ihr im Hals stecken. Wäre er nicht da gewesen, wäre sie jetzt vielleicht tot gewesen. Ihre Feuerechsen-Schar tauchte plötzlich aufgerecht und besorgt zirpend auf, wirbelte einen Moment um sie herum ehe sie sich auf ihr niederliesen und sie unentwegt anstubsten und ihre Nasen an ihr rieben. Doch sie konnte nicht mehr tun als einfach nur da zustehen und dem Mann hinterher zu starren. Sprachlos. Vermutlich das erstemal seit sie den Weyr betreten hatte. Er hätte jetzt auch tot sein können.
K'ryan blieb vor der Höhle stehen. Zögerte. Es war nicht wegen der Schmerzen in seinem Rücken, die ignorierte er. Sie waren nicht so schlimm. Er war nicht sicher ob er sehen wollte wie ein Wher einen Menschen zerfleischte. Unweigerlich kamen ihm Bilder von seinem in einer Schlucht zerschelltem Freund Bias in den Sinn. Bilder die er wohl niemals vergessen würde. Ob er noch mehr solcher Bilder brauchen könnte? Er schüttelte den Kopf. Dafür war jetzt keine Zeit. Sollte das Mädchen noch leben, musste er es um jeden Preis retten. Solch ein Schicksal wünschte er niemandem und letzten Endes war er Drachenreiter. Und die waren schließlich dazu da die Menschen zu schützen.
Xantath draußen war in heller Aufregung. Von einem Fuß auf den anderen tänzelnd, stand er vor dem Höhleneingang und spähte hinein. Sein Reiter war verletzt und in Gefahr und er konnte nicht zu ihm! K'ryan hatte ihm zwar beruhigend zugeredet, dass alles nur halb so wild sei. Doch das beruhigte den Drachen überhaupt nicht. Er kannte seinen Reiter. Er spielte immer alles runter.
Noch war er alleine vor der Höhle, doch würde das sicher nicht so bleiben, hatte er doch vermutlich den halben Weyr geweckt als er vom Schmerz seines Reiters gepackt aufschrie, der ihn aus seinem sanften Schlaf gerissen hatte. Delsath und Raina würden auch sicher bald da sein.
Vielleicht konnte Raina helfen. Sie passte in die Höhle. Dennoch spähte er nervös in die Höhle. Die Gedanken und Eindrücke seines Reiters beunruhigten ihn. K'ryan durfte jetzt auf keinen Fall in irgendwelche Zustände verfallen. Der letzte war lange her, doch war sein Reiter sicher nicht geheilt. Vermutlich würden die Wunden der Vergangenheit nie ganz heilen. Da er seinem Reiter körperlich nicht nah sein und zur Hilfe eilen konnte, versuchte er ihm nun wenigstens mental beizustehen.
Entschlossen aber aufs schlimmste gefasst warf K'ryan schließlich einen Blick in die Höhle. Es war dunkel, aber er glaubte das Mädchen noch am Stück in einer Ecke liegen zu sehen. Nicht ganz das was er erwartet hatte, aber um so besser. Der Wher schien unentschlossen. Wie sollte er jetzt am besten vorgehen? Die Höhle stürmen und den Wher angreifen oder ihn bloss ablenken damit das Mädchen fliehen konnte? Oder vielleicht einfach rein, das Mädchen schnappen und wieder raus? Das würde er vermutlich alles nicht überleben... oder sollte er vielleicht einfach abwarten? Wo war Tira wenn man ihn mal brauchte? Der wusste sicher was zu tun war.
Queensk grollte und blickte zum Ausgang. Am liebsten wäre sie hinter den Zweibeinern her gerannt, doch wollte sie ihre Eier nicht mit dem Dritten alleine lassen. Eilig packte sie wieder Brins Hosenbein und schleifte sie über den Steinboden in den hinteren Teil der Höhle. Brin war starr vor Angst. Wagte nicht sich zu rühren. Nur das Zittern ließ sich nicht unterdrücken. Etwas abseits des Geleges ließ der Goldwher sie wieder los und sah nach ihren Eiern. Kurz darauf wickelte sie sich um sie, doch nur um gleich wieder aufzustehen und das Mädchen mit der Nase unsanft weg zu stoßen. Sie war zu nah. Eigentlich durfte diese Kreatur überhaupt nicht hier sein. Sie sollte es töten. Ewig hatte sie nichts brauchbares mehr zufressen gehabt und so eine mickrige Tunnelschlange hielt nicht lange vor. Doch dieses eine Ei machte sie ganz verrückt. Verständnislos stieß sie es an. Warum konnte es nicht so sein wie die anderen und seine Engerien auf das Wachstum und die Schlupf später konzentrieren? Vielleicht war es krank.
Er konnte doch nicht rumsitzen und abwarten, dass was passierte... Hilfe war sicher unterwegs. Dennoch, viele länger wollte er nicht warten. Der Weg war lang und bis die Hilfe da war konnte sonstwas passieren. K'ryan atmete tief durch, spähte nochmal kurz in die Höhle, prüfte dann ob sein Messer da war wo es sein sollte. Er hoffe, dass er es nicht brauchen würde, doch wenn es nötig war, wollte er sicher sein, dass es da war. Entschlossen trat er in den Eingang bereit hinein zu rennen und sich das Mädchen zu schnappen. Doch bevor es soweit war, krachte plötzlich vor ihm ein maßiger Bronze-Wher aus dem Nichts. "Yo, das hat doch wunderbar geklappt.", meinte die Gestalt auf dessen Rücken und tätschelte den Wher am Nacken. Der Wher brummte bloss wie als wollte er sagen "Natürlich hat das geklappt...".
K'ryan starrte sie an. Sein Mund klappte auf, dann wieder zu. Verlor dann aber doch die Beherrschung. "BIST DU VERRÜCKT???? DAS IST EIN WHER UND KEIN DRACHE!!! Du könntest TOT sein!" Where hatten ein anderes Sehvermögen als Drachen und Menschen was die Übermittlung brauchbarer Sprung-Koordinaten erschwerte oder gar unmöglich machte. Sie galten daher als unfähig zu Sprüngen durchs Dazwischen. Nur wenige wussten, dass sie es überhaupt konnten.
Der Bronze-Reiter ließ sich von der Schelte aber nicht aus der Ruhe bringen und stieg gelassen vom Rücken seines Whers ab. "Komisch, das selbe wollte ich dir auch gerade an den Kopf werfen.", gab der kräftige Bergwerksgeselle zurück, stämmte die Fäuste in die Seiten und sah den Drachenreiter mindestens genauso finstern an wie dieser ihn. "Du hast ja schon viele dumme Sachen angestellt. Aber das hier ist mit Abstand das dämlichste. Wie BESCHEUERT muss man sein einen Goldwher mit Gelege zu stören?" Where würden einen Menschen ohne zu zögern töten wenn sie sich bedroht fühlten, anders als Drachen, die zwar Drohen würden, aber einem Menschen niemals absichtlich Schaden würden, außer vielleicht er bedrohte seinen Reiter. Das war Fakt auch wenn ein Großteil der Bevölkerung Perns das nicht wusste.
"Als ob das meine Idee gewesen wäre. Ich betreibe hier bloss Schadensbegrenzung. Ich konnte ja nicht riechen, dass die beiden hier auf einen Wher treffen. Sonst hätte ich vorher eingegriffen..."
"Die beiden?"
K'ryan nickte zu Brin.
"Ich sehe nur ein Mädchen...?", meinte Tira, Schlimmes befürchtend.
"Die Andere ist vorerst in Sicherheit." Kurz sah er zu Jyll, die immer noch in dem Gang stand und sich nun wunderte was in der Höhle vor sich ging.
Der Wherreiter schwieg eine Weile bis ihm ein Gedanke kam. "Ohh, sag nicht du wolltest hier grade reinstürmen. Kein Wunder, dass dein Drache so panisch klang. Denkst du vielleicht auch mal an ihn? Wenn du dich in Gefahr bringst, bringst du auch ihn in Gefahr. Oder Raina? Oder deine Kinder? Was ist mit denen? Dachte du hättest mittlerweile begriffen, das du nicht alleine auf dieser Welt lebst."
K'ryan hob die Hände. "Was soll ich denn machen. Das Mädchen sterben lassen? Wäre das besser?"
"Nein, aber du könntest auch einfach Hilfe anfordern."
"Wir sind hier mitten im Fels."
"Na und? Hat mich das aufgehalten?"
"Mit einem Wher ins Dazwischen zu gehen und an einen total fremden Ort zu springen, ist also vernünftiger?"
"Was soll das denn heißen? Nur weil ein Wher kein Drache ist, heißt das noch lange nicht das er das nicht genau so gut kann."
"Es ist auch für Drachen gefährlich an enge unbekannte Orte zu springen."
"Das musst du grade..." Tira brach ab als einen heftigen Hieb vom Schwanz seines Whers ab bekam. Der Wher hatte ihn schon längere Zeit gegen sein Bein geklatscht. Anfangs nur leicht, dann aber immer stärker in dem Versuch Tiras Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dieser sah nun zunächst grimmig zu seinem Wher dann aber zu der Goldenen, die gefährlich knurrend seinen Wher fixiert hielt.
"Raus!" Damit schob der Wherführer den Drachenreiter aus dem Eingang bis weit in den Gang Richtung Jyll. Diese staunte nicht schlecht als plötzlich ein Bronzewher rückwärts aus der Höhle trat. Er versperrte der Goldenen den Weg zu den Menschen. Grollte tief und warnend, hielt aber sein Haupt unterwürfig gesenkt. Er wollte keinen Streit mit ihr, hatte versucht sie zu beruhigen, aber im Moment war sie zu gereizt.
"Torsk bitte sag ihr, dass wir ihr und dem Gelege nichts tun wollen und dass wir bloss das Mädchen wieder habe möchten."
Die Goldene verschwand wieder in der Höhle. Erst diese Zweibeiner und dann fällt dieser riesige Wher aus dem Nichts in ihre Höhle. Wäre er nicht so groß gewesen, hätte sie ihn zerfetzt. Ihr Geist arbeitete angestrengt. Wie sollte sie die Situation lösen? Genervt stieß sie Brin bei Seite als sie wieder zu ihren Eiern ging. Das Ei schien sich zu beklagen. Als ob es da irgendwas zu sagen hätte. Das war genug. Sie würde es aussondern. Wenn es unbedingt zu diesem Zweibeiner wollte, dann sollte es eben dort hin gehen. In ihrem Gelege wollte sie es jedenfalls nicht mehr haben. So stieß sie es an, rollte es aus seiner Kuhle zu der zitternden Gestalt. Was es an dem Zweibeiner wohl fand?
Zu ihrer Verwirrung verstummte das Ei in der Nähe des Mädchens. Schien wie jedes andere Ei. Queensk schüttelte den Kopf und wollte es wieder zurück schieben doch sobald es sich wieder von dem Zweibeiner entfernte, begann es mental wieder zu weinen und zu quängeln. So schob sie es wieder zurück.
Sie schnaubte. Musste sie das verstehen? Kopfschüttelnd kehrte sie zu ihrem Gelege zurück, wickelte sich um ihre Eier, prüfte sie kurz noch mal und schloss dann die Augen. Öffnete sie aber wenig später wieder. Der Mensch störte. Er musste weg. Warum ging er nicht? Hatte er nicht bekommen was er wollte? Niemand kam in ihre Höhle, wenn er nicht hinter ihren Eiern her war. Mehr würde der Zweibeiner nicht bekommen. Sie schnaubte ihn an. Er sollte gehen. Doch die jämmerliche Gestalt zitterte bloss noch mehr. Erbärmlich...
Ihr Blick schien schließlich durch die Wand zugehen. Es gehörte zur Gruppe des Bronzenen, dann sollte er es auch entfernen. Wenn er es nicht tat, würde sie es tun.
"So, und was jetzt?", fragte der Drachenreiter angespannt. Ihm gefiel es gar nicht so untätig rumzustehen und das Mädchen in der Höhle alleine mit dem Wher zurück zu lassen.
"Ist Brin okay?", warf Jyll dazwischen. Ihre Augen wanderten vom einen zum anderen. Doch die beiden Männer sahen nur kurz zu ihr, antworteten aber nicht. Das Herz rutschte ihr in die Hose. Oje... So schlimm? Und das war alles ihre Schuld. Ihre Feuerechsen summten etwas lauter, versuchten sich aufzumuntern und zu beruhigen.
"Nun die Lage ist ernst.", meinte Tira zu K'ryan.
"Dann sollten wir etwas unternehmen, bevor es zu spät ist."
"DU wirst gar nichts tun. Im Moment ist es besser Ruhe zu bewahren. Hektik macht es nur schlimmer.", der Blick des Wherführers ging zu seinem Wher. Dieser ging langsam zum Höhleneingang und spähte vorsichtig hinein bevor er in der Höhle verschwand.
"Torsk?" Was hatte der vor? Grade wollte er hinterher gehen als sich eine Hand auf seine Schulter legte.
"Ruhe bewahren, Tira, Ruhe bewahren." kam von dem Reiter.
"Ker... das ist nicht witzig."
"Der Große macht das schon. Der weis schon was er tut."
Tira warf seufzend einen Blick zu seinem Freund, der einen zuversichtlichen Blick aufgesetzt hatte, und dann zu der Höhle wo sein Wher verschwunden war.
Der Bronze-Wher betrat vorsichtig die Höhle und bewegte sich unter den wachsamen oranges wirbelnden Augen der Goldenen direkt auf das Mädchen zu. Musterte sie und das Ei kurz. Dann stupste er das Mädchen an. Nimm das deine. Wir gehen. sprach er in ihre Gedanken. Für gewöhnlich machte er sowas nicht. Seine Worte waren ausschließlich für Tira bestimmt, doch dies war eine spezielle Situation. Brin sah den Wher erschrocken an. Hatte er zu ihr gesprochen?
Nimm! Er stieß das Ei solange immer wieder gegen ihren Körper bis sie die Arme um das Ei legte und es an sich nahm. Dann schnappte er sich das Leder ihrer Jacke und zerrte sie aus der Höhle.
Tira war sichtlich erleichtert als sein Wher wieder aus der Höhle herauskam. Er zwängte sich an ihm vorbei um nach Brin zu sehen. Sie zitterte immer noch am ganzen Körper und hielt das Ei mit dem Armen krampfhaft umschlungen. "Alles ist gut. Torsk hier wird dir nichts tun.", versuchte er das Mädchen zu beruhigen, aber sie stand zu sehr unter Schock um dadrauf irgendwie zu reagieren. So hob er sie einfach hoch. "Torsk könntest du dich etwas, kleiner machen?" Der Wher ließ sich nieder, so das sein Reiter aufsteigen könnte. "Los, ihr beiden, steigt auf. Torsk ist zwar nicht der schnellst, aber ich denke so kommen wir immer noch schneller und sicherer voran als anders."
"Bist du sicher?", fragte K'ryan zurück und musterte den Wher nachdenklich.
"Natürlich bin ich sicher. Glaub mir er kann bedeutend mehr Gewicht tragen als wir vier zusammen wiegen. Rasch. Ich will nicht warten bis die Goldene die Geduld verliert."
Der Drachenreiter nickte und kletterte vorsichtig hinter Tira auf den Rücken des Whers und half dann Jyll, die ebenfalls etwas zwigespalten über diese neue Erfahrung wirkte. Sobald alle sicher saßen trottete der Wher los. K'ryan und Jyll wiesen den Weg.
"Sag mal...", räusperte sich Tira auf halber Strecke. "... wieso borgst du ihr dein Messer und mir, deinem besten Freund, nicht?" Er hatte das alte rostige Messer an Jylls Hüfte sehr wohl wieder erkannt.
"Was?"
"Du hast mich schon verstanden."
"Ich habs ihr nicht geborgt. Ich warte immer noch, dass es seinen Weg zu mir zurück findet.", er spähte vielsagend über die Schulter.
Jyll lief rot an. Irgendwie wurde der Tag nicht besser.... "Tschuldigung. Ich dachte du brauchst das alte Ding vielleicht nicht mehr..." Sie sah in Siirys wirbelnde Augen. Die Feuerechse beobachtete sie und ihre eigenen Feuerechsen schon die ganze Zeit. Eine kleinere bronzene Feuerechse hatte sich später dazu gesellt, aber diese schien weniger an ihr interessiert zu sein. Die hatte sich nur gähnend auf der freien Schulter des Drachenreiters zusammengerollt und sirrte jetzt leise vor sich hin.
Tira lacht. "Es gehörte seinem Vater. Für gewöhnlich zerreißt er jeden in der Luft, der es auch nur ansieht." Das hielt einen leicht spöttischen und anklagenden Beiton, der K'ryan sehr wohl auffiel auch wenn er geschickt versteckt war.
"Es ist das einzige was ich von meinem Vater besitze.", verteidigte sich der Drachenreiter prompt.
Tira stieß ihm einen Ellenbogen in den Bauch. "Trotzdem läßt du es ihr.."
"Ich weis doch wo es ist. Weis gar nicht warum du dich so aufregst."
"Warum ich mich aufrege?" Der Bergwerksgeselle holte Luft. "Wieso erfahre ich - dein bester Freund - ..." er wollte nur noch mal darauf hinweisen "... nur über fünf Ecken, dass du jetzt im West Weyr lebst? Und ich wunder mich die ganze Zeit wo du abgeblieben bist."
"Ich hatte keine Zeit..."
"Was ist denn das für eine Ausrede? Du besitzt eine Feuerechse und einen Drachen und du kennst genug Leute die entweder das ein oder das andere oder gar beides haben. Du hättest mir ganz sicher in irgendeiner Form eine Nachricht zu kommen lassen können."
"Dachte nicht, dass das so wichtig wäre. Und du hast doch rausbekommen, dass ich jetzt hier lebe."
Tira schnaubte. "Ich dachte schon dir wäre sonst das passiert."
"Ich kann schon auf mich aufpassen."
"Ach ja? Ich kenn niemanden der so viele Narben am Körper trägt wie du, mein Freund. Und was war das eben wieder?" ER wies zurück in den Gang
K'ryan schwieg eine Weile, er musste grinsen. Aus der Sache kam er wohl nicht mehr raus. "Tut mir leid. Du kennst mich doch."
"Ja, und genau das macht mir Sorgen.", seufzte der Bergmannsgeselle.
Danach herrschte Stille bis... "Welche Tageszeit haben wir jetzt?", fragte Tira als Jyll andeutete, dass der Ausgang bald erreicht war.
"Als wir die Höhle betreten haben ging die Sonne gerade unter. Es sollte jetzt dunkel sein.", antwortete K'ryan, der verstand worauf die Frage abzielte. Where vertrugen kein helles Licht.
"Wunderbar."
Nach der nächsten Biegung kam der Ausgang und ein besorgter brauner Drache in Sicht. Xantath war überglücklich seinen Reiter wieder zusehen. Allerdings ließ Tira Reiter und Drache keine große Gelegenheit ihr wiedersehen zufeiern:
"Okay, wo lang geht es zum Heiler?"
"Der Heiler befindet sich im kleinen Kessel, den erreicht man über den Pass darüben. Ich kann sie auch rüber fliegen, das geht schneller.", meinte der Drachenreiter hilfsbereit.
"Nein, nein... ich liefere euch beide lieber persönlich ab. Dann bin ich sicher, dass ihr beide behandelt werdet. Außerdem wäre es viel zu umständlich jetzt umzusteigen. Wir sind doch schon halb da..." Es ging ihm aber hauptsächlich um ersteres. K'ryan hatte ein gestörtes Verhältnis zu Heilern und mied sie wann immer er konnte. Auch wollte er sicher gehen, dass das Wher Ei in Brins Nähe blieb und ihm nichts passierte. Da würde wohl noch was auf das Mädchen zukommen. Wenn die Goldene ihr das Ei überließ konnte das jedenfalls nur eines bedeuten.
Der Bronzene blieb plötzlich stehen. "Torsk?"
Im nächsten Moment landete ein blauer Wher vor ihnen. "Scherben! Ist das kalt!", fluchte dessen Reiterin.
"Sind denn hier alle verrückt?", kommentierte K'ryan den zweiten Wher, den er an diesem Tage aus dem Dazwischen hatte fallen sehen.
"Simira!?", kam ebenfalls erschrocken und empört von Tira.
"Ihr wart plötzlich weg und wir haben uns Sorgen gemacht. Simsk hat versichert, dass er das schon x-mal gemacht hat.", meinte Simira nur während wie versuchte dem blauen Wher von dessen Rücken aus die Wherbrille abzunehmen. Diese Brille war eine Spezial-Anfertigung für Where und hatte getönte Gläser.
"Na schön, wo ihr schon mal hier seid, könntet ihr dem Weyrheilern schon mal Bescheid geben, dass wir kommen. Ihr findet sie da oben irgendwo.", meinte Tira schließlich.
"Es ist die nächste große Höhle neben dem See.", ergänzte K'ryan.
Simira musterte das kreidebleiche Mädchen, das Tira in den Armen hielt. "Okay. Hast du gehört Simsk?"
Und ob der Wher das gehört hatte. Sein Blick lang ganz fasziniert auf dem großen Felsenöhr durch, das das Wasser vom oberen See zum unteren gelangte.
"Oh... ohoh nein. Muss das sein? ... Simsk!?" hastig zurrte Simira allerlei Gurte fest, denn der Wher sprintete los allerdings nicht in die Richung an die alle gedacht hatten.
"Ist das ganze Lederzeug nicht übertrieben.", fragte K'ryan während er sich wunderte wo die beiden hin wollten.
Tira lachte über Simsk Verhalten. "Nein, nein. Das ist schon alles richtig so. Simisk ist ziemlich ungestüm. Er stammt aus der Wildnis. Ohne das ganze Lederzeug hätte ich ganz ehrlich doch etwas Angst um das Mädchen."
"Wo wollen die hin?"
Tiratorsk hatte sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt.
Tira lachte immer noch, er hatte etwas Mitleid mit Simira. "Warts nur ab."
K'ryan schüttelte den Kopf. Der blaue Wher wurde immer schneller während er unbeirrt auf die nächst gelegene Felswand zulief und schließlich hochsprang um sich die Felsen hoch zu arbeiten. Als er schließlich eine gute Höhe erreicht hatte, stieß er sich ab und spreizte die Flügel. Ein Windstoß erfasste ihn und trug ihn höher. Doch gedachte er nicht in diesem zu bleiben, stattdessen flatterte er heftig mit den Flügeln schlagend zum nächsten Luftstrom. Simira wurde bei den zum Teil doch recht abrupten Richtungsänderungen, Schrauben und Drehungen ganz schön durchgeschüttelte. Sie hielten ansonsten aber doch recht zielstrebig auf das Öhr zu. Simsk wollte unbedingt da durchfliegen.
"Für einen Wher gar nicht schlecht oder?", meinte Tira zu K'ryan, der das ganze etwas stirnrunzend beobachtete. Das Where sich in der Luft halten konnten für einige Zeit, wusste er, aber mit einem Reiter auf dem Rücken...
[K'ryans Geschichte geht hier weiter ]