[hoffe das war die jetzt nicht zu viel...

]
Raka knurrte irgendwas zurück.
~...ja, ja...~ Sie ignorierte den Raptor und betrachtete stattdessen die Bilder an den Wänden. Einmal war ihr so, als hätte sie eine geflügelte Schlange gesehen, wie sie selbst nur ohne Nackenschild. Die Schlange thornte auf einer Wolke, und unter ihr waren Menschen dargestellt, die sie zu verehren schienen. Raka dachte sich ihren Teil dazu und folgte weiter Eisklaue. Bis er beinahe in eine Grube mit Spießen gefallen wäre.
~Wer soll hier besser aufpassen?~ meinte sie spöttisch.
Immer darauf bedacht, keine Fallen auszulösen, betraten sie den nächsten Raum und betrachteten die Säule in dessen Mitte.
~Sehr witzig,~ brummte Raka den Raptor an,
~woher soll ich denn bitte lesen können?~ Sowas konnte ja nur einem Zweibeiner einfallen. Als endlich die Fackel von Eisklaue den Geist aufgegeben, und sich die Schangenaugen an die Dunkelheit angepasst hatten, konnte sich Raka endlich wieder richtig umsehen. Der ständige Wechsel von Licht und Schatten belastete ihr Sehvermögen. Doch die Freude währte nur
kurz, da Eisklaue kurze Zeit später mit einer neuen Fackel auftauchte.
Schade...
Am Ende des nächsten Gangs betrachtete sie lange und eingehend den blauen Kristall, der in einer kunstvollen Halterung steckte und den ganzen Raum mit einem angenehmen blauen Licht ausfüllte.
~Was willst du denn damit?~ fragte sie Eisklaue.
~Das Ding sieht zwar nett aus, aber du wirst weder davon satt noch hat es irgend einen anderen Nutzen.~ Kopfschüttelnd folgte sie dem Raptor zu einer von Rissen durchzogenen Wand. Auf einmal gab es einen Schlag und sie stürzte in sich zusammen.
~Sicher, dass das der
richtige Weg ist?~ meinte die Schlange beim Anblick der Wände. aber sonst war auch im Vorraum nichts weiter zu sehen. Aber als Schlange verließ sie sich nicht nur auf die Augen.
~Warte mal kurz... Ich hab da eine Idee... Aber fass ja nichts an!~
Noch einmal begab sich Raka in den Raum mit dem Kristall. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Summen und die Erschütterungen des Bodens, die sie mit ihren feinen Sinnen aufnahm. Sie ging den Raum einmal ab, und als sie die Stelle gefunden hatte, an der das Summen am Stärksten war, rief sie Eisklaue zu sich.
~Hier ist was.~ Behutsam drückte Raka mit der Schnauze gegen die Wand. Es knirschte, die Wand schob sich zur Seite in eine Ausbuchtung hinein.
~Na bitte~ meinte Raka zufrieden.
~Wenn man blind losrennt, übersieht man die wesentlichen Dinge.~
Der neu entdeckte Gang war lang, schlängelte sich mal hierhin, mal dorthin und führte immer weiter nach unten. Außerdem war er so schmal, das Raka befürchtete, mit den Flügeln stecken zu bleiben. Inzwischen hatte sich das Summen immer weiter verstärkt. Sie waren auf dem richtigen Weg. Bei zwei Abzweigungen verließ sich Raka bei der Wegfindung ganz auf dieses Summen und fand so schließlich den richtigen Weg. In einem kreisrunden Saal, der mit kunstvollen Malereien und Schriftzeichen übersäht war, fanden sie es schließlich. Zumindest hatte Raka keinen Zweifel daran, dass es das
gesuchte Artefakt war. Eine pulsierend leuchtende, kugelrunde Sphäre schwebte über einem Wasserbecken in der Mitte des Raumes. Mit jedem Pulsieren änderte sich die Farbe des Lichts, die es ausstrahlte, von gelb über rot bis hin zu blau und so weiter und so fort. Mit dem Leuchten tauchten auf der Oberfläche des Dings immer wieder andere Schriftzeichen auf, deren Bedeutung sich Raka nicht schlüssig war. Aber die Sphäre löste das Summen aus, daran gab es keinen Zweifel. In dem Raum war es beinahe so stark, dass es die Wände hin und her zittern ließ. Zudem strahlte das Ding eine
unbekannte Energie aus, wohltuend und unheimlich zugleich. Sie konnte es nicht beschreiben. Völlig fasziniert begutachtete sie das Ding von allen Seiten.
Als sie sich satt gesehen hatte, wandte sie sich Eisklaue zu.
~Wollen wir es jetzt mitnehmen?~ Irgendwie war ihr unbehaglich dabei zumute, die Ruhe des Artefaktes zu unterbrechen. Aber sie hatten es dem Schatten versprochen.
Raka kam näher, öffnete ihr Maul und nahm das Ding ganz vorsichtig auf. Es war erstaunlich leicht, fast als wäre es innen hohl und wider Erwarten löste dessen Entfernung keine Falle aus. In dem Moment, als Raka die Sphäre berührte, hörte das Summen auf.
Die Schlange legte es behutsam neben Eisklaue auf den Boden.
~Vielleicht wäre es besser, wenn...~ Weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment bekamen die Zwei Besuch. Schneller als alles was sie bisher gesehen hatte, glitt ein Schatten durch den Gang über die Wände auf sie zu.
Endlich! frohlockte der Schatten innerlich.
Endlich, nach all den Jahrhunderten... Nun brauchte er seine lästige Tarnung nicht mehr aufrecht zu erhalten und konnte sich in seiner wahren Gestalt zeigen. Eine riesige, schwarze Gestalt schien den halben Raum auszufüllen. Entfernt erinnerte sie an einen Drachen, hatte dessen ledrige, zerfetzte Flügel die allerdings an den Rändern mehr wie Rauch aussahen. Überhaupt schienen die Umrisse des Wesens mit der Finsternis zu verschwimmen und an den Konturen wie eine halbfeste Wolke aus Dunkelheit zu bestehen. Soweit sich das erkennen
ließ, war das Wesen mehr Schlangen- als Drachenförmig, es war sehr lang, vor allem sein Schweif, die vier Beine gingen in der ständig bewegenden schwarzen Masse beinahe unter. Am unheimlichsten waren jedoch die kalten, trüb-weißen Augen, die sie aus dem kleinen Kopf ohne Regung anstarrten, fast als wären sie blind, schienen aber trotzdem sehen zu können.
Das alles nahm Raka in einer einzigen Schrecksekunde wahr, dann schnellte der Schwanz des dunklen Drachen an ihr vorbei und zerschmetterte die Sphäre in tausende winziger Splitter. "Endlich", frohlockte das Wesen. "Brave kleine Sterbliche, folgsam wie kleine Hündchen habt ihr meinen Befehl ausgeführt..." Der schwarze Kopf wandte sich dem Scherbenhaufen zu. "Und jetzt, da dieses verdammte Ding weg ist, steht der Rückkehr meines Meisters nichts mehr im Wege." Ein hämisches grinsen bildete sich in der Schwarzen Masse. "Ihr wart nützlich, kleine Würmer, wenn ihr mich nun entschuldigt, ich habe
zu tun..."
Eine Welle aus dunkler Energie ging von dem Drachen aus und schleuderte Raptor und Schlange gleichermaßen weg in einen breiten Säulengang auf der anderen Seite des Raumes. Mit einem hämischen Lachen feuerte der Schatten eine weitere Welle hinterher, zerstörte damit die Säulen des Ganges und brachte den Tunnel zum Einsturz. Dann schüttelte er den Kopf. "Sterbliche..." und wandte sich um, die Rückkehr seines Meisters vorzubereiten...