(OOC: So, mal wieder was längeres, viel Spaß beim Lesen

)
Immer noch konzentrierte sich Luarcis mit aller Kraft darauf, das Wesen mit seinen Energieseilen an den Boden zu fesseln, so dass er nur schemenhaft aus den Augenwinkeln heraus mitbekam, was Magan tat. Doch plötzlich schoss von ihm aus eine Blitzkugel auf das Monster und lähmte es augenblicklich unter einem heftigen Aufschrei.
Etwas erleichtert seufzend konnte Luarcis seinen Zug etwas verringern, da das Giftwesen erst einmal nur benommen da saß und sich nicht mehr so heftig wehrte. So konnte er gut mit ansehen, wie sich Magan der Kreatur näherte und sie untersuchte, bis er schließlich in ihren Geist eindrang. Der Weiße spürte, dass der Silberdrache sehr tief eindringen musste und dort fast nur Chaos und Dunkelheit vorfand, die Energieseile konnten in geringem Maße auch Empfindungen übertragen, da sie direkt aus Luarcis’ Körper entsprangen und fest mit ihm verbunden waren. So entging ihm auch nicht Magans plötzliches Aufbäumen und der schmerzhafte Rückstoß, der ihn auch selbst nach hinten taumeln und keuchen lies.
Langsam schaute er benommen auf, seine Energieseile waren um einiges dünner geworden und wären wegen seiner gestörten Konzentration fast gerissen, aber er wusste insgeheim, dass sie nun auch nicht mehr nötig waren. Besorgt sah er einen Moment zu Magan herüber, der fieberhaft versuchte, seine verbrannte Pranke zu versorgen, bis dieser ihn bat, seinen Zauber zu beenden. Luarcis nickte und zog mit einem Ruck seine Energiefäden nur zu gerne wieder ab, die sich kurz hin und her flatternd in seine Arme zurückzogen. Langsam lies er sich wieder auf seine Vorderbeine herab, fluchte aber kurz durch den Schmerz auf, so dass er sich lieber hinsetzte und sich abwechselnd die Schultern hielt und sie etwas massierte.
Das wird morgen sicher nen Mörder Muskelkater geben…, dachte er sich schnaubend.
Nachdem er sich wieder etwas von dem Kampf erholt hatte, schaute er auf und beobachtete, wie Magan gedankenversunken irgendetwas versuchte, bis sich plötzlich ein schwarzes Portal unter dem Wesen öffnete und es verschlang. Luarcis ahnte, was da grade geschehen war, er hatte diese außergewöhnliche Technik ja schon bei der silbernen Drachin gesehen, die sie schließlich erst auf diesen Planeten verfrachtet hatte. Aber Silverdrak schien um einiges vetrauter und geübter mit diesen unheimlichen Portalen zu sein, Magans freudigen Blick betrachtend, war es für ihn aber wohl gerade das erste Mal gewesen, dass ihm dies gelungen war. Das gefiel dem Walddrachen überhaupt nicht, er verstand nicht viel von diesem
Dazwischen, aber er wusste dennoch, dass man mit solchen Kräften nicht spielen und genau wissen sollte, was man tat, ihm hatte schon der letzte Trip gelangt, obwohl er schließlich durch die erprobte Silberdrachin eingeleitet worden war. Er wollte nicht herausfinden, was passieren könnte, wenn man vom Weg abkam und einfach irgendwo im Nichts oder auf einer unbekannten Welt landete…
Und als ob er es geahnt hätte, öffneten sich auch plötzlich unter den Anderen und ihm selbst Portale, die sie auf eine ungewollte Reise schickten…
Keuchend flog Luarcis aus dem schwarzen Loch und purzelte prustend unsanft über den Boden, wo er im dichten Gras erst einmal benommen liegen blieb. Leise fluchend rappelte er sich schließlich auf, ihm war diese Art zu reisen ganz und gar nicht geheuer, das hatte dieses Erlebnis ihm nur noch fester untermauert, während er sich etwas Gras und Erde abklopfte. Zufrieden sah er aber, dass wenigstens auch die Anderen mit ihm hier gelandet waren und er nicht einfach irgendwo gestrandet war. Einmal sah er auch mit mürrischer Miene zu Magan, verkniff sich aber einen Kommentar, seine strengen Augen sagten wohl ohnehin mehr als Worte. Stattdessen verfolgte er nur zu gern, wie Silverdrak ihn belehrte, dachte dann aber auch über ihre Worte nach, während er das sich drehende Artefakt betrachtete. Wenigstens hatten sie nun schon ein Teil gefunden und so wie es schien, waren sie nun auch auf dem Planeten, wo sich ein weiteres befand.
Überhaupt schaute sich Luarcis nun endlich einmal um, wo sie eigentlich gelandet waren und erstarrte beim Anblick des Waldes, der sich hinter ihnen befand.
„Ist das möglich?...“, murmelte er und schnupperte prüfend in der Luft, bevor er sich etwas in die Erde krallte und kurz die Augen schloss. Als er sie wieder öffnete, wandte er sich mit freudigem Blick zu den Anderen um.
„Ja, es gibt keinen Zweifel, diese Bäume, diese Aura, dieser Duft, wir sind nicht einfach irgendwo gelandet, das hier ist meine Welt, meine Heimat! Willkommen auf Ankhumbar, Freunde!“, rief er strahlend mit einer ausladenden Bewegung.
„Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass ich so schnell zurück kehren könnte, aber ich bin sehr froh darum, nach dem, was in so kurzer Zeit passiert ist. Aber es ist wohl nicht ohne Grund geschehen…“, fügte Luarcis noch „etwas“ weniger enthusiastisch hinzu, als er das wild wirbelnde Fragment betrachtete.
Plötzlich hörte er ein Geräusch und fuhr herum, als er plötzlich auf einer Anhöhe ein Stück entfernt zwei Menschen erblickte, ein jüngerer, vermutlich der Sohn, und ein älterer, dem gerade vor Schreck eine Heugabel aus der Hand gefallen war. Erst jetzt erkannte Luarcis, was für einen seltsamen und unheimlichen Anblick diese große Gruppe aus so vielen und vollkommen unterschiedlichen Drachen und anderer Wesen abgeben musste, die einfach so aus dem Nichts auf dieser Wiese gelandet waren.
Luarcis zögerte nicht lange und wandte seine ganze Aufmerksamkeit den beiden Menschen zu, denen er fest in die Augen blickte, während er eine Pranke hob und langsam vor sich an ihnen vorbei führte. „
Schlaaaaaaaaaft!“, sprach er langsam und sah dann zufrieden mit an, wie sie sanft auf den Boden sanken und dort liegen blieben. Er vergewisserte sich noch einen Moment und drehte sich dann wieder zu den Anderen um.
„Sie werden sich vermutlich danach an nichts mehr erinnern können, was auch gut ist. Wir sollten etwas vorsichtig sein, um nicht zu viel Aufsehen zu erregen und damit unnötigen Ärger zu vermeiden. Die Menschen hier treten Drachen oftmals skeptisch und auch feindselig gegenüber. In den großen Städten ist das meist nicht so, dort sind die Menschen gebildet und aufgeschlossener, am Hof des Königs gibt es sogar ein paar angesehene Drachenreiter, aber auf dem einfachen Land sollten wir lieber unauffällig bleiben. Die Bauern wissen nur das, was sie sich selbst erzählen, Geschichten über Drachen, die ihnen ihre Ernte und ihr Vieh rauben, sie fürchten sich vor ihnen und aus Furcht entsteht eben nur zu leicht Argwohn und Hass. Aber mit etwas Vorsicht werdet ihr euch hier sicher wohl fühlen und meine Welt zu schätzen wissen.“, fügte er noch lächelnd an, bevor er erneut herumwirbelte, als er etwas bemerkte.
Noch ein Portal öffnete sich und bevor er sich darüber Gedanken machen konnte, woher es kam, fiel aus ihm genau das Wesen heraus, von dem er gehofft hatte, es nie wieder sehen zu müssen. Es lag erst einmal einige Momente nur benommen da, bevor es sich ängstlich zu dem sich gerade wieder schließenden Portal und dann zu der Gruppe umblickte. Luarcis betrachtete es streng und stumm, aber es schien tatsächlich beinahe von seinem bösen Zauber geheilt worden zu sein, die Giftaura war zwar noch teilweise vorhanden, aber sie zog sich immer mehr zurück und würde wohl bald ganz verschwunden sein. Auch waren seine Gefühle nicht mehr von Wut und Zorn durchsetzt, sondern eher von Furcht und Verwirrtheit. Noch ein paar Augenblicke löste der Weiße seinen Blick nicht von ihm, aber als es keine Anstalten machte, sie anzugreifen, sondern sich einfach nur schwer atmend hinkauerte, seufzte er laut auf.
„Na prima, das hat uns ja gerade noch gefehlt. Wie sagtest du, Silverdrak, das Dazwischen hat seinen eigenen Willen und oftmals auch einer humorvolle Ader? Ich amüsiere mich köstlich darüber!“, sprach er mit sarkastischem Unterton. „Was soll ich nur mit dir machen, hm?“, fragte er das Wesen, aber er wusste, dass er ja doch keine Antwort bekam. Seufzend wandte sich Luarcis ab und schaute ein paar Sekunden nachdenklich zum Waldrand herüber, bevor er leicht nickte.
„Na gut, dann sei es so, wir haben keine Zeit, um uns noch weiter mit dir zu verfassen. Du darfst bleiben, sofern du keinen Unfug anstellst!“, sagte er noch, bevor er tief Luft holte und sich konzentrierte.
Er öffnete sein Maul, um ein lautes Gebrüll aus seiner Kehle dringen zu lassen. Es war seltsam, ungewöhnlich tief, so tief, wie er nur konnte, und irgendwie auch seltsam verzerrt und von verschiedenen Tonlagen überlagert. Es blieb auch nicht dabei, sondern wurde schnell höher, bis es schließlich zu einem schrillen Kreischen wurde und irgendwann so hoch, das man es schon kaum mehr hören konnte. Dieses Brüllen deckte alle nur denkbaren Frequenzen ab und schien weit über die Baumwipfel hinweg in den Wald zu dringen. Schließlich schloss Luarcis sein Maul wieder und holte keuchend seinen Sauerstoffmangel nach, während er einfach nur dasaß und lauschend wartete, ungeachtet der Blicke der Anderen, die verwirrt dem Schauspiel folgten.
Ein paar Minuten geschah nichts, doch dann geriet der Wald langsam in Bewegung. Einen Moment später schritt ein stattlicher weißer Wolf aus dem Dickicht und schaute kritisch zu der Gruppe herüber. Gleich darauf kamen auch ein paar andere Wölfe hervor und sammelten sich hinter ihm.
„Es freut mich, dass du gekommen bist, Rotauge“, sagte Luarcis und wartete dann weiter ab, ebenso wie Rotauge, der die Gruppe immer noch musterte. Er verdankte seinen Namen seinem linken Auge, das durch einen Kampf von einem starken Bluterguss durchtränkt und somit fast komplett rot gefärbt war. Er war zwar schon alt und halb blind, aber er war immer noch unangefochtener Anführer des Rudels. Neben ihm huschten nun auch noch zahllose andere Tiere aus dem Unterholz und stellten sich am Waldrand auf. Etwas abseits brach ein großes, bärenähnliches Wesen durch das Gestrüpp und schaute brummend in die Runde. Unzählige Vögel ließen sich auf den umliegenden Bäumen nieder, nach ein paar Minuten schien der halbe Wald sich am Rand der Lichtung versammelt zu haben, es war ein einmaliges Schauspiel. Luarcis nickte zufrieden.
„Wunderbar, es freut mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid, ich habe eine Bitte an euch.“, sprach er schließlich und ließ dann stumm seinen Blick langsam umherschweifen, scheinbar jedes Tier einen Moment lang betrachtend. Ein paar bewegten sich hin und wieder unruhig, manche schienen beinahe soetwas wie zu nicken. Als Luarcis schließlich am Ende angelangte, nickte auch er und die Tiere verschwanden allmählich nach und nach wieder in den Tiefen des Waldes. Dann wandte er sich zu guter Letzt dem fremden Wesen zu und blickte auch ihm einen Moment lang tief in die Augen, um ihm ein paar Gedankenbilder zu zeigen.
„Nun geh, suche dir einen Platz, wo du dich wohl fühlst, du bist hier nun willkommen.“, sprach er und schaute dann mit an, wie das Wesen sich schließlich aufmachte und langsam Richtung Wald schlurfte, in dem es letztlich verschwand.
„Es wird immer jemand ein Auge auf ihn haben, ich werde erfahren, falls es Unheil stiften sollte, aber ich hoffe, dass das nicht passieren wird.“, sagte der Walddrache schließlich zu den Anderen und sah dann zu Silverdrak, die sich einen schönen Platz suchte und sich hinlegte, um sich auszuruhen.
„Ja, ich halte das auch für die beste Idee, wir haben alle viel durchgemacht und viel Kraft verloren, lasst uns eine Weile rasten. Aber ich kann euch sagen, ihr hättet euch keinen besseren Platz zum Ausruhen aussuchen können! Der Wald ist meine Heimat, er schenkt mir Schutz und teilt auch seine Kraft mit mir, das kann er mit euch auch. Macht es euch einfach bequem und ich erledige den Rest!“, sprach Luarcis lächelnd und legte sich dann ebenfalls hin.
Dann krallte er sich ein wenig in die Erde, holte Luft, schloss die Augen und fing dann allmählich an, leise zu summen. Es war eine wunderbar harmonische Melodie, die sanft über die Lichtung wehte und den Drachen allein schon ein beruhigendes, entspannendes Gefühl verlieh. Doch nach einer Weile war da noch mehr, wenn man genau hinsah, hätte man meinen können, dass sich über dem Gras, den Pflanzen und Bäumen ein schwacher goldener Schimmer ausbreitete, der langsam auf die Gruppe zu waberte und an ihren Beinen und Bäuchen, falls sie sich hingelegt hatten, empor kroch, um sie mit einem heilenden, lindernden Gefühl zu durchströmen. So ließ Luarcis seinen wortlosen Gesang ertönen, der von überall her und doch nirgends zu stammen schien, wie in Trance leicht mit dem Kopf wippend, die Augen immer noch geschlossen. Es konnten Minuten, oder auch Stunden gewesen sein, als die Melodie schließlich verstummte und er seine Augen wieder öffnete. Genüsslich streckend richtete er sich auf und schaute dann zu den Anderen.
„Wie fühlt ihr euch? Mir zumindest geht es wieder blendend, Zu Hause ist es doch immer noch am schönsten!“, rief er lachend und wartete, bis alle wieder zusammen gekommen waren. Dann fiel sein Blick wieder auf das sich immer noch schnell drehende Artefakt und seine gute Laune verflog schnell wieder.
„Wisst ihr, ich habe nachgedacht, so wie es aussieht, muss sich auf meiner Welt auch eines der Teile befinden und ich habe eine Vermutung, wo. Im Süden befindet sich eine große Wüste, nur wenige, die sie betreten haben, sind je wieder lebend zurück gekommen. Es gibt eine Legende, dass sich in ihrem Inneren ein mächtiger Sanddämon befinden soll, der ein Artefakt mit seltsamen und außergewöhnlichen Kräften bewacht. Manche sagen sogar, er sei unsterblich. Ich habe diesen Geschichten nie sonderlich viel Beachtung geschenkt, aber nach dem, was ich schon mit euch erlebt habe, könnte das womöglich ein Hinweis sein. Die Wüste ist zumindest eines der wenigen unerforschten Gebiete, in denen sich solche Geheimnisse bewahren konnten. Das Artefakt zeigt soweit ich sehen kann zumindest genau in diese Richtung. Ich denke, es gibt ohnehin nur einen Weg, um das heraus zu finden.“, sprach Luarcis schließlich und wandte sich dann in die Richtung um, mit ernster Miene. Er hätte nicht im Traum daran gedacht, sich jemals freiwillig in die Wüste wagen zu wollen. Der Wald war sein Reich, dort gab es kaum Gefahren für ihn, er gab ihm seine Kraft und seinen Schutz. Aber so wie die dichte Vegetation ihn stärker machte, so schwächte ihn die Wüste allein durch den bloßen Aufenthalt nach und nach. An diesem Ort, wo kein Leben existierte, nur karger Fels und endloser Sand, war sicher kein guter Platz für ihn. Aber er schien keine Wahl zu haben, das Schicksal hatte ihn so weit geführt und er könnte es sich nie verzeihen, seine Gefährten einfach den unbekannten Gefahren auszuliefern. Das war seine Welt und er fühlte sich für sie verantwortlich. So drehte Luarcis sich schließlich wieder zu den Anderen um und nickte bestimmt.
„Also gut, dann lasst uns aufbrechen!“ So erhob er sich in die Luft und folgte dem Weg nach Süden…
Ein scharfer, trockener Wind umwehte den Felsvorsprung, auf dem er sich nieder gelassen hatte, während er ernst auf die weite Ebene vor ihm blickte.
„Die Wüste von Mer-Neith!“, sprach Luarcis und schaute noch einmal zurück auf das Land hinter ihm, bevor er noch einmal zu Silverdraks Artefakt schaute, das sich nun schon um einiges schneller drehte, als zuvor und sich seufzend erhob, um seinen Weg fortzusetzen.
Er wusste nicht, wie lange sie schon flogen, aber es mussten schon einige Stunden gewesen sein. Stunden, mit nichts als Sand und ein paar verstreuten Felsen im Blick. Doch plötzlich hörte er einen Ruf und sah, wie die Silberne ihm bedeutete, zu landen. Das Artefakt wirbelte heftig um sich selbst und schien sogar unregelmäßig kurz aufzuglimmen. Er nickte und sah dann nach unten, wo sich ein ungewöhnlich hoher Sandberg auftürmte, sonst aber nichts zu sehen war. Luarcis landete auf ihm und schaute sich dann um, konnte aber immer noch nichts entdecken. Ratlos sah er zu den Anderen, doch auch sie wussten nicht weiter, während Silvi nachdenklich das Artefakt musterte.
Plötzlich kam ein heftiger Wind auf, obwohl die Ebene vorher komplett ruhig und keine Wolke am Himmel war. Es war ein unnatürlicher Wind, das spürte Luarcis sofort, zumal er sich auch ganz schnell auf eine Stelle ein Stück vor ihnen konzentrierte. Der Sand wurde aufgewirbelt und drehte sich heftig im Kreis, während sich ein paar Meter weiter kein Staubkorn regte. Schon bald hatte sich vor ihnen ein großer Sandwirbelsturm aufgetürmt, der sich auf der Stelle drehte. Aber dann verdichtete er sich plötzlich und zog sich zusammen. Schon bald waren leicht die schemenhaften Umrisse einer Gestalt zu erkennen. Immer mehr verdichtete sich der Sand und umspülte den Körper des Wesens, zu dem er sich formte. Allmählich wurden die sehnigen Beine sichtbar, überzogen von einer durch die Sonne gegerbten Haut mit kurzem, nur noch in Ansätzen erhaltenes Fell. Es folgten der Oberkörper und Unterleib, der mit einer leichten, verzierten Rüstung überdeckt war. Die Arme formten sich, ausgemergelt, aber mit starken Muskeln bepackt, die in großen Pranken und scharfen Krallen endeten. Der Sand enthüllte schließlich den Kopf, eine schakalartige Miene mit langen, spitzen Ohren und einer langen Schnauze, die vom Sand scharf geschliffene und blendend weiße Zähne beherbergte, die in der Sonne blitzten. Schließlich verstummte der Sandsturm und stattdessen stand vor der Gruppe eine hochgewachsene Gestalt, die mit rot glühenden Augen zu ihnen herüber starrte, das Maul zu einer höhnischen Fratze verzogen, die schließlich mit einer überaus tiefen und boshaften Stimme redete, die einem durch Mark und Bein ging und einen selbst bei dieser Hitze einen kalten Schauer den Rücken herunter jagte.
„Wer wagt es, in mein Reich einzudringen?! Ich bin Semerkhet, Herr über den Sand und euer aller Untergang!“ Dann musterte er die Gruppe eingehend und blieb mit seinem Blick schließlich einen langen Moment an dem Artefakt hängen, das Silvi vor sich trug.
„Äußerst interessant, ihr seid Drachen, richtig? Und dann gleich noch so viele davon, ein seltener Anblick. Sonst verirren sich nur törichte Menschen und ein paar Tiere hier her, auf der Suche nach Schätzen oder einem Weg hindurch. Ich hätte von Drachen eigentlich ein wenig mehr Verstand erwartet, aber gut, das gestaltet die Sache immerhin gleich viel interessanter, ich werde sicher viel Spaß mit euch haben!“, fügte er noch breit grinsend hinzu.
„Wir sind hier, weil du etwas besitzt, das dir nicht zusteht. Ein Artefakt, oder besser gesagt, ein kleines Teilstück davon, das einer ganzen Welt helfen kann, fortzubestehen. Wir haben Grund zur Annahme, dass es sich in deinem Besitz befindet, also gib es heraus! Es hat für dich doch ohnehin keinen Nutzen!“, sprach Luarcis schließlich mit fester, aber doch ungewisser Stimme. Plötzlich fiel der Dämon in schallendes Gelächter, das noch unheimlicher war, als seine Stimme, bevor er erneut zu sprechen begann.
„Soso, ein Artefakt? Das ist also euer Ziel. Viele haben schon danach gesucht, doch alle hat dasselbe Schicksal ereilt, von ihrer Existenz zeugt nur noch der Staub unter euren Füßen! Warum sollte ich euch helfen? Ob etwas für mich von Wert ist, entscheide schließlich immer noch ich selbst. Ihr seid auch nicht anders, als all die törichten Schatzsucher vor euch. Ich habe einen anderen Vorschlag, ihr gebt mir dafür einfach EUER Artefakt, ich verspreche auch, dass ich es gut aufheben werde!“, rief er immer noch lachend.
„Das werden wir ganz sicher nicht tun, überlege es dir, wir sind nicht so schwach, wie ein paar abenteuerlustige Schatzsucher und wir haben keine Zeit, uns lange mit solch abstoßenden Kreaturen mit schlechtem Mundgeruch wie dir herumzuschlagen!“, rief Luarcis noch.
Der Dämon kniff die Augen zusammen und knurrte auf, behielt aber die Fassung und begann schnell wieder zu grinsen.
„Ich hatte gehofft, dass ihr das sagt, es wäre ja langweilig gewesen, wenn ihr freiwillig aufgegeben hättet! Wisst ihr, ich bekomme nicht gerade häufig Besuch und sonst gibt es hier auch nicht gerade viel Interessantes, da freu ich mich um etwas Gesellschaft und Unterhaltung doch ungemein. Macht es mir bitte nicht zu einfach, ich möchte doch möglichst lange mit euch Spaß haben!“, rief er auflachend und hob dann seine Arme, während er sich konzentrierte.
„Ihr habt keine Ahnung, wen ihr hier vor euch habt! Seht her und erlebt meine Macht, die euch schon bald vernichten wird!“ Dann hielt er seine Pranken über den Sand vor sich und fing an, in einer seltsamen Sprache zu reden.
„Aba sen artu sen her-a…sekheper nef sekhu nef…oetet khet er ek…au nem-na! Au nem-na! Au nem-na!!!“ Es musste eine uralte Sprache gewesen sein, denn Luarcis hatte sie noch nie zuvor gehört, er wusste nicht, was die Worte bedeuteten, aber er ahnte Schlimmes.
Plötzlich bewegte sich der Sand und an mehreren Stellen bildeten sich kleine Hügel, bis auf einmal eine knochige Hand daraus hervorschoss und zitternd umhertastete. Allmählich folgte ein ganzer Körper, der sich mühevoll aus dem Boden grub, bis sich eine hagere Gestalt langsam aufrichtete. Es war ein Mensch, oder zumindest war es das vor langer Zeit einmal gewesen. An einigen Stellen waren blanke Knochen zu sehen, nur manchmal hing noch ein Fetzen schwarzer Haut oder etwas verrotteter und zerrissener Stoff herab. Nach ein paar Minuten stand eine ganze Schar untoter Krieger neben dem zufrieden dreinblickenden Semerkhet. Die meisten waren Menschen, meist gespickt mit Schwertern oder Säbeln, aber es gab auch ein paar Tiere und übergroße Insektenwesen darunter, verlorene Seelen, die dem Sanddämon einst zum Opfer gefallen waren.
Angewidert betrachtete Luarcis die armseligen Kreaturen, die der Dämon herauf beschworen hatte, trotz ihres abstoßenden Anblicks hatte er Mitleid mit ihnen, sie hatte ein schlimmeres Schicksal ereilt, als der Tod, denn sie hatten nicht einmal dann ihre Ruhe gefunden. Zornig blickte er zu Semerkhet, er würde dafür bezahlen, dass er so verachtend mit dem Leben umging, Luarcis konnte nicht zulassen, dass dieser Dämon weiter eine solche Schreckensherrschaft verbreitete.
„Darf ich euch meine getreuen Untertanen vorstellen? Sie sind nicht besonders schön und auch nicht sehr gesprächig, aber sie sind nützliche Werkzeuge für meine Zwecke. Ihr habt euch sicher viel zu erzählen, na, ihr habt ja auch eine ganze Ewigkeit, euch näher kennen zu lernen!“, rief Semerkhet noch höhnisch lachend und wandte sich dann an seine Mumienkrieger.
„Ahim Yu Setna!!“, brüllte er und zeigte dabei auf die Gruppe. Man brauchte diese Worte nicht zu verstehen, um zu wissen, was sie bedeuteten. Die Krieger ließen ein lautes Brüllen ertönen, die Münder und Mäuler unnatürlich weit aufgerissen, aber schließlich hatten die Meisten nur noch ein paar lose Sehnen, mit denen ihre Kiefer gehalten wurden. Dann stürmten sie los und den Berg hinauf, für Wesen ohne festes Fleisch auf den Knochen ungewöhnlich schnell. Luarcis kniff die Augen zusammen und wandte sich dann schnell zu den Anderen um.
„Ich fürchte, wir kommen um einen Kampf nicht herum. Zeigt keine Gnade, denn sie werden es auch nicht tun! Ihre Seelen sind ohnehin schon seit langer Zeit verloren, das sind nur noch leblose Hüllen, die nur einen einzigen Befehl befolgen. Ihr müsst sie vollständig vernichten, denn solange noch eine Hand von ihnen existiert, werden sie versuchen, euch damit zu erwürgen. Seid vorsichtig, sie stehen unter einem unheiligen Zauber und sind sicher stärker, als sie den Anschein haben!“, rief er und wandte sich dann knurrend um, um ebenfalls ein Brüllen ertönen zu lassen, die ersten Mumienkrieger musternd, die sie schon beinahe erreicht hatten und die Schwerter zum Angriff erhoben…